Das tut weh: Wenn die Betäubung beim Kaiserschnitt nicht wirkt

Das tut weh: Wenn die Betäubung beim Kaiserschnitt nicht wirkt

NIE werde ich einen Geburtsbericht veröffentlichen. NIE! Ich sehe mein ICH vor vier Jahren, als ich mit dem Bloggen begann und auf fast jedem Familienblog einen Geburtsbericht fand. Ernsthaft? Hat das nicht was von Big Brother? Vier Jahre und zwei Kinder später hat sich meine Sichtweise etwas verschoben. Ich werde auch heute nicht ins Detail gehen, aber davon berichten, was eben auch passieren kann, wenn die Betäubung beim Kaiserschnitt nicht wirkt. Davon abgesehen, irgendwas ist ja immer bei mir. NEIN, das ist keine “Einstellungssache”, das ist einfach Erfahrung. Meine Freunde nicken an dieser Stelle bestätigend.

Zurück zum Thema – Geburtsberichte lese ich immer noch nicht gern, teile aber meine Erfahrung mit euch. Denn das kann immer passieren, ist aber die Seltenheit. Außerdem schreibe ich euch noch, was ihr unbedingt nicht vergessen solltet zu erwähnen.

BITTE NICHT LESEN, WENN..

…ihr gerade schwanger seid, Angst vor Geburten habt oder ein schwaches Gemüt habt – Stichwort TRIGGERWARNUNG. Ich gehe zwar nicht so ins Detail, aber es reicht vielleicht aus, um dem einen oder anderen Angst zu machen. 

Die Klinik gehört zu den größten in Deutschland, auf Geburten ist man hier spezialisiert. Da fühlt man sich gut aufgehoben. Eine Beleghebamme hatte ich auch. Am Tag X ging es los, noch vor sechs in der Früh mussten wir uns anmelden. Es gab ein CTG mit mehreren Damen im gleichen Raum, danach ging es zum Umziehen. Das Prozedere kennt ihr bestimmt alle. Im Nachhinein fällt mir dazu auf, das alles sehr unpersönlich war, man wurde “abgefertigt”. Aber anders ist das in diesem Rahmen wohl gar nicht möglich.

Die Kontrolle, ob alles gut rasiert ist. Wildes Gekicher. Alles bestens.

Wir fahren in den OP-Bereich, es wird gerade umgebaut. Hübsch und einladend ist anders. Kalte Atmosphäre. Ich liege im Gang und warte auf meinen Mann. Der kommt nicht und kommt nicht. Eilige Betriebsamkeit. Eine Ärztin guckt kurz nach mir, hat aber keine Zeit. Sie muss sich OP-fertig machen. Kein Mann weit und breit. Der darf nicht, erfahre ich später. Warum, möchte ich hier nicht schreiben.

Panikattacke noch vor der OP – muss die Spritze so wehtun?

Später sah ich den Männeke im Vorbeifahren, bereits mit Maske und Haube. Durch die Entscheidung zur Spinalanästhesie durfte er ja dabei sein, entsprechend gekleidet.

Es ist kalt. Der OP-Saal war alt, gefliest und dunkel. Bitte einmal aufsetzen. Jetzt kommt erst die Betäubungsspritze. Panik macht sich breit; eine Spritze vor der Spritze? Ehrlich? Haben die das erwähnt? Ich kann mich daran nicht erinnern. Die Spritze schmerzt. Nun kommt die Spinalanästhesie. Schön ruhig halten, Rücken gekrümmt. Panikattacke. Die Hebamme versucht, mich zu beruhigen. Atmen. Keine Luft. Nun geht es auf den OP-Stuhl, ich werde festgeschnallt, Jod wird aufgepinselt und mein Mann darf ans Kopfende, soll den Monitor mit im Auge behalten.

Fand ich im Nachhinein ja nett, dass auch die Männer beim Kaiserschnitt eine Aufgabe erhalten. Doof, dass mir speiübel wurde. Der Kreislauf begann zusammenzusacken, es war eiskalt. Ich merke, wie am Bauch gearbeitet wird. Und arbeiten trifft das ganz gut, das fühlt sich nicht gut an. Ich bekomme keine Luft mehr. Das ist normal, höre ich. Ich spüre zuviel. Die Betäubung wirkt nicht richtig.

Die Betäubung beim Kaiserschnitt wirkt nicht

Vieles weiß ich nicht mehr, einiges möchte ich hier auch gar nicht schreiben. Was mir noch im Ohr klingt, sind meine Worte “holt das Baby endlich raus”. Schreie ich? Weine ich? Keine Ahnung, es ist nur eine ferne Erinnerung. Ich weiß, die Ärzte haben sich echt beeilt. Mir kamen die Minuten wie Stunden vor. Als das Baby auf die Welt kam, höre ich nur die Worte “wir legen sie nun in Narkose”.

Meine nächste Erinnerung findet im Kreißsaal statt; mein Mann sitzt dort mit unserem Sohn, die Hebamme macht Bilder von uns. Eine Schwester spritzt mir Antikörper gegen Rhesus-positives Blut. Danach geht es hoch, aus dem OP-Bereich auf die Familienstation.

Am Abend sollte ich aufstehen. Es klappt nicht. Gezeter. Der Katheter sollte raus. Geht nicht. Zickige Schwestern. Ich kann tatsächlich erst nach der zweiten Kaiserschnittgeburt nachvollziehen, dass es Frauen gibt, die nach einem Kaiserschnitt am gleichen Tag aufstehen können (da ging es, prima Nähtechnik sei Dank). Die Schmerzen waren da allerdings so stark. Ibuprofen hatte den Effekt von Smarties. Ehrlich; drei Stück am Tag? Das wirkt nicht einmal bei Migräne bei mir. Paracetamol? Mein Schmerzzentrum lacht. Leute mit Fibromyalgie wissen, was ich meine.

Aufstehen nach Kaiserschnitt? Das kann doch nicht so schlimm sein…

Die Hebamme war entsetzt, die Ärztin gab mir erst am dritten Tag mehr Schmerzmittel: “Oh, so schlimm? Echt? Sie können ja gar nicht aufrecht laufen.”

Ich konnte mich nicht ums Baby kümmern. Es war die Hölle. Stellt euch vor, euch wird eine Glasscherbe in den Bauch gesetzt. Mit Alkohol getränkt. Dreimal so schlimm. Beim Aufstehen die Ohnmacht. Schwestern, die glauben, du willst dich an den verdammten Schmerzmitteln berauschen. Erst an Tag fünf konnte ich zum Wickeln aufstehen.

Spätfolgen sind geblieben. Mein Rücken ist taub. Daher war der zweite Kaiserschnitt auch eine Vollnarkose. Ich habe Skoliose, dadurch ist das Spritze setzen zwischen den Wirbeln mit einem Risiko verbunden. Und da der Rücken bereits taub ist, hat sich der Anästhesist mit mir für die Vollnarkose entschieden.

Nein, das war nicht schön. Aber das zählt letztlich nicht. Letztlich zählt das Ergebnis, nicht wahr?

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder lief alles entspannt ab? Eine Bekannte erzählte mir, dass ihr Kaiserschnitt “ein Spaziergang” war. Es gibt solche und solche Erfahrungen. Ich gehöre halt eher zu dem Team “dumm gelaufen”. Ich könnte sicherlich noch gefühlvoller darüber schreiben, will das Thema aber nicht zu sehr vertiefen.

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Titelbild: Pixabay lizenzfrei

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