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Von Krippenplatz zu Spielecke: Was familienfreundliche Unternehmen in Deutschland bieten

Spielecke im Büro, Homeoffice, Zuschüsse oder Betriebskindergarten – familienfreundliche Unternehmen in Deutschland bieten viel für Fachkräfte mit Kindern. Nicht zuletzt, weil sich das rechnet: Zufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleiben im Unternehmen, und damit auch die Expertise. Was bieten Unternehmen mit Fokus Familie und was ist wirklich gefordert?

Jährlich werden Deutschlands familienfreundlichste Unternehmen ausgezeichnet. Bisher habe ich der Sache gar keine Aufmerksamkeit geschenkt, da ich selbstständig bin. Und früher, als ich als Angestellte arbeitete, hatten wir noch keine Kinder. Wie wichtig eine familienfreundliche Firmenpolitik ist, wissen wir aber spätestens seit Corona. Vereinbarkeit war ja schon immer ein schwieriges bis unmögliches Thema, aber arbeiten und Kinder hüten ist ein Spagat, der schwer zu bewältigen ist.

Umso wichtiger, dass sich immer mehr Unternehmen Familienfreundlichkeit auf die Fahne schreiben. Nur, schreiben heißt noch lange nicht, dass die Benefits auch wirklich bei Eltern in Nöten ankommen. Das ist ganz ähnlich wie das Greenwashing von großen Kaufhausriesen oder Multikonzernen. Ach guck, wie nachhaltig, das Plastik wurde im Karton verpackt.

Es gibt sie allerdings, die familienfreundlichen Unternehmen. Wo Angestellte Menschen sind und keine “Gehaltsempfänger”. Es gibt natürlich auch krasse Gegenteile (mit denen ich auch schon Bekanntschaft schließen durfte). Dann weiß man zumindest, was man NICHT brauchen kann.

Das bieten familienfreundliche Unternehmen – mögliche Angebote und Benefits

Schon beim Vorstellungsgespräch trennt sich die Spreu vom Weizen: Es gibt Angebote, die Unternehmen für besondere Familienfreundlichkeit auszeichnen. Nicht alles davon muss ein Unternehmen bieten, letztlich schlägt die Menschlichkeit die aufgemotzte Spielecke mit Kaffeebar. Und auch nicht jedes Unternehmen gestattet Kinder auf dem Unternehmensgelände, das hat oft Sicherheitsaspekte als Grund. Lösungsorientierung und Flexibilität machen das dann aber wieder wett, wenn Not am Mann bzw. an der Frau ist. Was ist euch als Eltern wichtig in einem Unternehmen? Und was bietet eure Firma? Und: Seid ihr damit zufrieden?

Was familienfreundliche Unternehmen für Eltern umsetzen könnten

Gleitzeitregelungen

Old but gold: Gleitzeit. Ohne morgendliche Hetze die Kinder in Kita oder Schule abliefern und entspannt ins Büro, das geht mit Gleitzeit.  Später kommen, früher gehen – alles ist möglich. Nur irgendwann müssen die vertraglich festgelegten Stunden auch abgearbeitet werden. Wo es möglich ist, sollte der Arbeitgeber dies umsetzen.

Interne Hausaufgabenbetreuung

Schule aus, Hausaufgabenzeit und keine Mittagsbetreuung? Es gibt Unternehmen, die bieten Hausaufgabenbetreuung an. Das ist sicherlich kein Standard, aber eine nette Idee.

Elternnetzwerk

Unternehmen mit Sinn für Familie etablieren ein Elternnetzwerk: Gegenseitige Unterstützung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Arbeitnehmer zufrieden und ausgeglichener am Schreibtisch oder am Hobel sitzen. Wer kann als Betreuung einspringen? Wo gibt’s den besten Kinderarzt? Welcher Babysitter ist empfehlenswert? Das Elternnetzwerk kostet die Unternehmen nichts und ist doch ein zentraler Punkt in Sachen Mitarbeiterzufriedenheit.

Home-Office

In den meisten Ländern eine Selbstverständlichkeit, nur Deutschland kippt wieder die Regelung fürs Home-Office. Und viele Firmen machen da auch noch mit: Zurück ins Office, zurück zur Kontrolle. Firmenkultur aus vor 50 Jahren. Wo Home-Office möglich ist, sollte es die Wahl geben. Das erleichtert die Vereinbarkeit doch sehr.

Eltern-Kind-Büros

Familienfreundliche Unternehmen bieten ihren Angestellten ein Großraumbüro mit Spielecke und flexiblem Schreibtisch. Falls es mit der Kinderbetreuung mal nicht klappt, darf der Sprössling mit ins Office. Super Regelung, denn auch die Kita hat mal Schließtage oder Oma ist mal krank.

Es geht aber auch ohne extra Büro: Als Kind saß ich mit Malzeug am Besprechungstisch meines Vaters. Ziemlich häufig, wenn ich so daran denke. Das geht nicht immer, Kinder in Werkshallen sind eher hinderlich, ihr versteht.

Freistellungen, flexible Arbeitszeiten & Teilzeitregelungen

Tritt ein Notfall oder ein unvorhergesehenes Ereignis ein, sind wir Eltern dankbar für gelebte Flexibilität. Das umfasst die kurzfristige Freistellung genauso wie flexible Arbeitszeiten inklusive Teilzeit.

Pflegezeit für Angehörige

Familienfreundlichkeit bezieht sich nicht nur auf die Kinder. Auch Eltern oder Großeltern profitieren von Unternehmen, die Angehörige frei stellen und Pflegezeit ermöglichen. Natürlich auch für Kinder mit Pflegebedarf. Im Idealfall hilft die Firma auch bei Organisation und Bürokratie bzw. Vermittlung zu Hilfsangeboten.

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Zuschüsse für Eltern und Alleinerziehende

Windeln sind teuer, Kinderklamotten auch. Familienfreundliche Unternehmen fördern Eltern und Alleinerziehende zusätzlich mit Zuschüssen oder Gutscheinen. Gerade hinsichtlich Inflation und Altersarmut durch fehlende Ersparnisse ein großes und wichtiges Thema.

Sportangebote

Einige Unternehmen bieten Firmensport an – mitsamt Sprösslingen: Fußball, Tischtennis, Judo – alles dabei. Nach Feierabend geht es dann mit dem Nachwuchs auf die Matte, in einigen Unternehmen auch während der Arbeitszeit. Work-Life-Balance at its best.

Betriebskindergarten mit großzügigen Öffnungszeiten

Das ist Luxus: Ein Betriebskindergarten für Kinder von Unternehmensangestellten, mit angepassten Öffnungszeiten. Große Unternehmen bieten das schon seit Jahrzehnten, aber auch hier mangelt es mittlerweile häufig an Personal. Bei der Unternehmenswahl aber sicherlich von Vorteil.

Reservierte Belegplätze in benachbarter Kita für Firmenangestellte

Krippen- und Kindergartenplätze werden gehandelt wie Zigaretten beim Wiederaufbau Deutschlands. Es fehlt an Fachpersonal und Räumlichkeiten, Aufbewahrung statt Pädagogik ist leider häufiger als uns lieb ist der Fall. Einige Firmen greifen daher auf Belegplätze in örtlichen Kitas zurück. Über die Richtigkeit kann man da natürlich vortrefflich streiten.

Weiterbildung und Beratung

Vereinbarkeit von Job und Familie, Überforderung, Problemfälle in der Familie: Manchmal ist Eltern sein ganz schön schwer. Gut, wenn der Arbeitgeber mit Beratungsangeboten und Weiterbildungsangeboten für Führungskräfte unterstützt. Es darf auch menscheln. Angestellte sind keine Roboter. Wer mit Herz führt, punktet und erntet auch noch gute Leistungen seiner Mitarbeiter*innen. Neben Familienthemen sind Nachhaltigkeit, Digitalität und Medienerziehung wichtige Punkte für Weiterbildung und Beratung.

Entspannungsangebote

Massage während der Arbeitszeit? Ich dachte, ich fall tot um, als ich das hörte. Und auch noch mitten in Augsburg. Das Unternehmen ist sowieso so ein Sonderfall, und in puncto Familienfreundlichkeit ausgezeichnet. Aber auch Yoga in der Mittagspause oder Autogenes Training um den Stresslevel zu senken sind wichtige und richtige Maßnahmen fürs Wohlbefinden.

Gehaltsfortzahlung im Krankheitsfall

Ist das Kind mal krank, übernimmt das soziale Auffangbecken einen Teil des Gehalts. Ist das Kind länger krank, wird’s schon schwierig. Und ein Teil des Gehalts ist halt doch kein ganzes Gehalt. Starke Unternehmen mit Familiensinn unterstützen mit Gehaltsfortzahlungen und Urlaubsspenden der Kollegen.

Karriere in Teilzeit

Als junge Mutter Karriere machen? Die Debatte um Anne Spiegel macht die Entscheidung sicherlich nicht leichter (wobei ich finde, dass die Debatte am Kern völlig vorbei ging, aber das ist ein anderes Thema). Karriere mit Kindern ist möglich. Um es mit den Worten einer anderen Nachricht der Woche zu sagen: Der Weg wird kein leichter sein. Gute Unternehmen lassen sich aber Fachkräfte nicht entgehen und fördern Teilzeit-Karrieren. Ach so: Sorry für die Kalauer hier.

Unterstützung beim Wiedereinstieg

Steine in den Weg gelegt, alte Position besetzt, Kündigung: Wiedereinstieg nach Elternzeit kann die Hölle sein – muss aber nicht. Familienfreundliche Unternehmen unterstützen Mütter und Väter nach ihrer Auszeit im Job und kümmern sich um die passende Stelle. Mittlerweile tendiere ich dazu, in Vorstellungsgesprächen nach diesem Punkt zu fragen. Ein ordentliches Unternehmen wertet die Frage nicht und antwortet darauf. Ja, solche Unternehmen gibt es, in echt. Leider noch zu wenige.

Firmeninternes Mobilitäts-Sharing

Der Sprinter für den Umzug, den Van für das Fußball-Wochenende der Kids, Vergünstigungen für das Carsharing, das Lastenrad für den Wocheneinkauf: Wie wäre es, wenn ein Unternehmen Mobilitäts-Sharing betreiben würde? Oder zumindest fördern würde? Das kann auch Gutscheine für die Öffis oder eine Bahncard beinhalten. Oder das ausgediente Bobby Car vom Chef.

Nachhaltigkeit für den Nachwuchs

Unternehmen sollten sich mehr Nachhaltigkeit auf die Fahnen schreiben. Denn Nachhaltigkeit punktet durchaus in Sachen Familienfreundlichkeit: Es geht schließlich um die Zukunft unserer Kinder. Plastikinseln im Meer, schmelzendes Eis in der Arktis, Dürren und knappes Trinkwasser – Firmen können schon mit kleinen Stellschrauben mehr Nachhaltigkeit im Alltag schaffen. Dafür gibt’s sogar externe Spezialisten.

Jetzt interessiert mich brennend, wie familienfreundlich das Unternehmen aufgestellt ist, in dem ihr arbeitet: Wieviel Punkte holt eure Firma? Ist das überhaupt machbar in eurem Job? Wo wünscht ihr euch Verbesserungen im Arbeitsalltag?

Titelbild: Die Kinder spielen Homeoffice mit selbst gebastelten Laptops.

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