Meine Schwangerschaft – Du bist aber mutig!

Meine Schwangerschaft – Du bist aber mutig!

“Du bist aber mutig!”, so der Tenor zur Verkündung meiner erneuten Schwangerschaft.

Nun lässt sich trefflich darüber streiten, ob schwanger werden in der heutigen Zeit Mut voraussetzt. Wenn ich da beispielsweise ans Mittelalter denke, wo Kinder oft nichts galten, gefoltert oder gegessen wurden – da war eine Schwangerschaft mutig!

Ja, der feine Ritter Gilles de Rais hat hunderte Kinder in seine Burg gelockt, um sie zu foltern und zu töten. Einst Wegbegleiter von der ruhmreichen Jeanne d´Arc, konnte er ungehindert in Frankreich wüten. Ich weiß, weit her, der Vergleich. Und Verhütung war damals auch nicht so gefragt.

Trotzdem: Warum ist meine Schwangerschaft denn besonders mutig? Nun, es kommt auf den Kontext an. Und die Betonung. Und die Interpretation.

Schwanger – gute oder schlechte Entscheidung?

Einige Leute meinen das positiv, ohne jeden Zweifel. Das betonen sie auch und erklären, wie sie den Satz meinen. Das ist fein. Andere wiederum zweifeln, ob das die richtige Entscheidung war – die sie vermutlich nicht getroffen hätten. Was ja ruhig sein kann. Aber mit der Aussage “du bist aber mutig” fühlt sich eine Schwangere nun nicht unbedingt ermutigt.

Mittlerweile spukt mir der Satz immer wieder im Kopf herum. Dann, wenn etwas nicht gut läuft. Dann frage ich mich, ob das die richtige Entscheidung war.

Wenn der Blutdruck hochschnellt. Wenn ich alle zwei Wochen krank werde und der Lütte auch – wie sollte ich da noch ein Baby wuppen? Wenn ich vor lauter Symphyse nicht vom Fleck komme. Meine Diabetes-Diagnose. Das sind Momente, in denen ich das gerne in Frage stelle: War das eine gute Entscheidung? Hätten wir das nach der Fehlgeburt nicht besser gelassen? Wird das Kind überhaupt gesund sein?

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Mütter zweifeln gern an sich selbst

Nun auch noch eine tiefliegende Plazenta. Es wird nicht besser. Dazu noch dies und das, nicht zu vergessen die Fibromyalgie. Habe ich mich da übernommen? Schaffe ich das? Werde ich Kleinkind und Baby gerecht werden? Wo meine Nerven schon jetzt nicht die besten sind? Überlebe ich die ganze ***** überhaupt und muss mein Sohn ohne mich aufwachsen (ja, ich neige manchmal zu leichten Panikattacken)?

Es ist okay, sich in Frage zu stellen. Zweifel von außen dürfen sein, ganz klar. Ich muss lernen, damit umzugehen. Mit den Zweifeln und den Selbstzweifeln. Aber das wird schon.

Mein Mann und ich haben schon immer alles zusammen gerockt, das werden wir auch diesmal. So ist das, als Eltern. Egal, wie groß die Hindernisse sind – bisher haben wir es immer darüber und darunter oder mitten durch geschafft. Hui, immer via Express. Dieses Jahr warten noch weitere Herausforderungen. Aber davon erzähle ich ein anderes Mal.

Das finde ich mutig

Mutig finde ich Frauen, die ihr Kind alleine aufziehen müssen. Wobei die das vermutlich als Selbstverständlichkeit sehen. Mutig finde ich auch Frauen wie Julie von Puddingklecks oder Tanja von NoRiskNoMum, die viel von ihrem Leben erzählen. Mutig sind Menschen wie der junge Afrikaner (jetzt Franzose), der in den vierten Stock geklettert ist, um ein Kind zu retten. Mutig sind unsere Alltagshelden; Rettungsdienste, Feuerwehr und weitere – die behaupten würden, sie machen nur ihren Job. Mut ist für jeden etwas anderes, vermute ich. Mut hat viele Gesichter. Wenn Menschen finden, dass ich mit der Schwangerschaft mutig bin – okay, dann bin ich das in ihren Augen.

Übrigens: Immer, wenn ich stark zweifel, dann überlege ich, was wir schon alles gemeistert haben und atme tief durch. Das hilft. Und das Gespräch mit dem besten Mann der Welt. 

Was macht ihr, wenn euch Selbstzweifel plagen?

Cheers, Victoria

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