Und welcher Pandemie-Typ bist du?

Und welcher Pandemie-Typ bist du?

Lockdown, Pandemie und Ausgangssperre – Wörter, die ich früher höchstens Nordkorea oder einem schlechten Film zugeschrieben hätte. Nun bestimmt Corona also unseren Alltag. Ich stelle fest, Menschen gehen ganz unterschiedlich damit um. Und ich packe uns deshalb in Schubladen, Pandemie-Schubladen. Enthält Spuren von Humor.

Welches Türchen darf es sein – welcher Pandemie-Typ bist du?

Der Paniker

Himmel! Hölle! Pandemie! Der Paniker, schon früher eher unentspannt, dreht in der Pandemie vollends durch. Einkaufen wird zur Tortur, Amazon und Lieferdienste kommen gerade recht. Auf der Suche nach Informationen grast der Paniker die Nachrichten durch, bei jeder neuen Erkenntnis zum Virus steigt der Blutdruck. Mittlerweile liest der Paniker nur noch Kinderbücher, da der Arzt zur Stressvermeidung rät.

Der Hypochonder

Kopfschmerzen. Corona! Übelkeit. Corona! Der Hypochonder mit Histaminintoleranz hat zwar gerade eine Tafel Schokolade verspeist, vermutet aber hinter jedem Anflug von Unwohlsein das neuartige SARS-Virus. Rät man ihm zur Gelassenheit, legt er nochmal einen nach und schickt dir zwölf Links mit Berichten, dass Kopfschmerzen durchaus ein Symptom seien. Wer darauf einsteigt, braucht Nerven aus Stahl.

Der Wissende

Der Wissende hat sich alle wissenschaftlichen Beiträge zum Thema Corona durchgelesen, jedes Interview angesehen und Fallzahlen akribisch analysiert. Zuhause hortet er neben natürlichen Heilmitteln, die gegen Corona helfen könnten, 20 Liter Mundspülung und einen Maskenvorrat für sechs Monate. Der Wissende ist gern vorbereitet und organisiert seine Vorratshaltung auf Trello, da er den nächsten Lockdown bereits kommen sieht. Macht nichts, er ist vorbereitet. Das Positive: Der Wissende weiß die Inzidenzen eines jeden Bundeslandes, inklusive Landkreis.

Der Eremit

Mit Beginn des Lockdowns ploppt die Flasche Moet: Endlich ist das Dasein legitimiert, keine Rechtfertigungen mehr, warum man nicht zur Firmenparty möchte oder 40 Stunden im Homeoffice lebt. Für den Eremiten ist jeder Corona-Tag ein Feiertag und insgeheim hofft er, auf ewig so weiterleben zu können.

Die Glucke

Die Glucke schirmt ihre Kinder konsequent ab: Auf Spielplätzen ist kontaktverbot, auch für den Zweijährigen. Macht das Kind einen Vorstoß zur Kontaktaufnahme, kreist die Glucke nach bester Helikoptermanier über das verdächtige Objekt und verhindert Bodenkontakt.

Der Relaxte

Pandemie? Ja, und nun? Der Relaxte nimmt die Sache eher entspannt, Aufregung kennt er nicht. Achselzuckend bahnt er sich seinen Weg durch den Supermarkt. Mittlerweile trägt er die Maske auch über der Nase, es ist zu ihm durchgedrungen, dass das die Wirksamkeit unwahrscheinlich erhöht.

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Der Positive

Pandemie und der Positive – nein, nicht im Sinne von Corona, sondern im Sinne der Lebenseinstellung. Endlich schwimmen wieder Delphine durch Venedig! Weniger CO²! Die Leute bewegen sich mehr, entdecken die Natur. Fahrradfahren wird populär. Einige Städte versäumen den Trend der Zeit und vergessen die Radwege bei der Stadtsanierung, aber die Grundeinstellung bleibt positiv: Corona bewirkt doch sooo viel Gutes fürs Klima! Und erst die Achtsamkeit! Die coacht der Positive jetzt via Youtube.

Der Strauß

Corona? Gibts nicht. In Vogel-Strauß-Manier mit Kopf im Sand leugnet der Strauß einfach wissenschaftliche Fakten. Youtube und Telegram sind die News seiner Zeit und das bisschen Schnupfen sabotiert seinen Alltag. Dadurch befeuert, teilt er jedem, der es nicht wissen will, mit, wie falsch die Wissenschaftler liegen. Der Strauß hat ein Problem damit, die Größe der Pandemie zu erfassen, der schiere Gedanke daran würde sein Gehirn sprengen. Er leugnet daher lieber die Pandemie. Tritt meist im Rudel auf.

Die Eltern

Die Eltern zerreißen sich in der Pandemie zwischen Homeoffice und Homeschooling, versuchen das Pulverfass Familie nicht zu entzünden und machen bis zur Erschöpfung die meisten Leitlinien mit. In ihren abgestumpften Augen sehen wir immer noch das Fünkchen Hoffnung, dass Kinder und Eltern doch systemrelevant sind und nicht ganz vergessen werden. Eltern, deren Kinder “Mercedes” oder “Polo” heißen, versuchen illegalerweise mehr Fördergelder zu beantragen.

Der Reisende

Reisende soll man nicht aufhalten, heißt es ja so oft. Der Reisende hingegen ist auch während Massenbeerdigungen in Schwellenländern unterwegs und posiert drollig wie ein dressiertes Eichhörnchen in die Kamera. Nüsse hat er keine, dafür zehntausend Follower. Der Reisende hält Corona für einen Schnupfen, lacht daheimgebliebene gern durch die Kamera aus und macht aus seinem Maskenhass keinen Hehl.


Humor schadet in diesen Zeiten nicht. Selbstverständlich ist einiges überspitzt dargestellt (sagt mal, muss ich das echt erklären? Ne, oder? Ihr seid nicht so, gell?). Der Einfachheit halber habe ich nur eine Form der Beschreibung gewählt. Gemeint sind alle Geschlechter.

PS: Ich bin da eher der Typ Chamäleon, von Glucke über Eremit zum Paniker. Ich glaube, ich habe mehrere Stadien durchgemacht 😉 Und ihr?

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Romy

    Ich bin Mutter von zwei schulpflichtige Kindern und fand diese Doppelbelastung furchtbar. LG ROmy

    1. Kuchenerbse

      Hallo Romy, das glaube ich dir aufs Wort. Wir hatten ja noch Glück, dass wir “nur” Kindergartenkinder haben (die man halt leider nicht unbeaufsichtigt lassen kann um zu arbeiten). Aber zusätzlich noch Homeschooling stelle ich mir wirklich furchtbar vor. Ich hoffe für uns alle, dass ein wenig Normalität zurückkehrt. LG Victoria

  2. Sabiene

    Danke für diesen schönen Beitrag!
    Ich bin ein bisschen Eremit und manchmal ein Wissender und öfters auch ein Positiver. Allerdings gehöre ich im Moment zu den Entnervten. (Hast du gar nicht aufgeführt!)
    LG
    Sabiene

    1. Kuchenerbse

      Liebe Sabiene – da ist mir was durchgewitscht – die Entnervten fehlen tatsächlich!
      Liebe Grüße
      Victoria

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