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Familiengedöns in Krisenzeiten – Solidarität ist keine Einbahnstraße

Und da sitze ich, THE WEEKEND auf den Kopfhörern (warum habe ich immer noch keine Noise-Cancelling-Kopfhörer?) und schreibe. Schreibe Nachrichten an einen Mann. Nicht an meinen, der sitzt mir schräg gegenüber und telefoniert. Home-Office und so.

Bevor es mir jetzt entgegenschallt, was ich bloß tue, löse ich auf: Ein guter Freund, quasi Familie. Lange nicht gesehen, lange nicht gehört. Nicht erst seit der Pandemie. Im Kopf der Gedanke, dass uns ein Teil der Familie im Sommer besuchen kommt. In den Augen Tränen, weil ich merke, wie das an die Substanz geht. Familie, so weit weg. Freunde, die ein Teil der Familie waren, weggebrochen, manche vermutlich wie immer. Andere wieder da. Die Pandemie verlangt uns viel ab, auch im zwischenmenschlichen Bereich. Von zu Querdenkern mutierten Bekannten, die sich benehmen, als wären sie Teil einer Sekte angehören, rede ich gar nicht.

Die Musik trägt und prägt Gefühle, sie ploppen auf, sie sind wieder weg, je nachdem, welcher Song gerade läuft. Und heute, da sind sie da, so einfach. Wie geht es euch gerade? Jetzt, in diesem Moment?

Meine Gedanken tragen mich weiter. Führen mich zu den Nachrichten der letzten Tage. Ich lasse meinen Anflug von Gefühlsduselei hinter mir und sehe einen Berg Probleme vor mir – unsere Kinder betreffend:

Ich finde die Aussicht auf Lockerungen ja auch verlockend, gleichzeitig sehe ich so wenig Solidarität mit unseren Kindern – aller Altersstufen.

Solidarität ist keine Einbahnstraße

Im Spiegel klagt eine Journalistin die ältere Generation an, die sich nur mit Biontech impfen lassen will, ein Ärzte-Ehepaar kommt hier zu Wort. Im ersten Moment gebe ich dem Beitrag recht. Aber eines wurde vergessen: Zumindest bei uns war bei den Hausärzten kein anderer Impfstoff als Biontech verfügbar. In Berlin hingegen konnte man sich den Impfstoff dahingehend aussuchen, da jedes Impfzentrum einen anderen verimpft hat. Noch dazu wurde Astra Zeneca wie die mediale Sau durchs Dorf getrieben, Menschen haben nun Angst davor.

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Es ist eine Crux.

Unsere Kinder sind auf Biontech angewiesen. Sie haben am meisten in der Pandemie geleistet, was die sozialen Einbußen angeht. Sie leiden, sie entwickeln Verhaltensauffälligkeiten, Ängste, Depressionen. Kindergartenkinder haben Angst vor dem Tod, Angst davor, das Virus nach Hause zu bringen. Spielen daher nicht mehr mit anderen Kindern, gehen nicht mehr alleine in andere Räume.

Junge Schulkinder lernen vorwiegend zuhause mit meist überforderten Eltern, kennen keinen Regelunterricht. Teenager wünschen sich so sehr mehr Freiheiten, Sport und Treffen mit ihren Freunden. Was haben wir früher alles angestellt, was für Erinnerungen in diesem Alter geschaffen!

Solidarität ist wichtig. Das ist aber keine Einbahnstraße.

Wahlkampf 2.0. – Familien obsolet

Wenn Bundesländer pauschal Kinder vom Strandbesuch ausschließen, wenn kein Impfstoff bereit steht, um die Kinder vor Schulöffnung im Herbst zu impfen, wenn Schulen Lüftungsanlagen nicht in Betrieb nehmen dürfen, obwohl sie sicherer sind als das ewige Stoßlüften – dann wird deutlich, dass Wahlkampf auf dem Rücken der Kinder ausgetragen wird.

Medien ziehen die ältere Generation zur Verantwortung. Ich mache die Politik dafür verantwortlich.

Kinder haben kein Stimmrecht.

Eltern schon.

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