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Wohnmobilreisen mit & ohne Hund – Thema Straßenhunde in südlichen Ländern

In vielen Gruppen wird heiß über Straßenhunde in Griechenland, Spanien, Rumänien, in der Türkei oder Kroatien diskutiert. Ob diese freilaufenden Hunde ein Risiko darstellen, ob es wohl Probleme mit dem eigenen Hund oder Kindern geben könnte etc. Ich habe über Straßenhunde und deren Verhalten mit jemandem gesprochen, der sich da gut auskennt.

Niemand eignet sich für die Diskussion über Straßenhunde besser als mein eigener Mann. Neben seinem Hauptjob hat er, bevor wir uns kennen lernten, als Hundetrainer in Augsburgs größter Hundeschule ausgeholfen. Außerdem hatte er jede Menge mit Straßenhunden aus Spanien zu tun und war mehrmals vor Ort. Natürlich zogen auch mehrere Straßenhunde bei ihm zuhause ein.

Derzeit sind wir übrigens hundelos, wir warten, bis die Kinder ein wenig älter sind – dem künftigen Hund und unseren Nerven zuliebe. Unser “Großer” ist leider zwei Tage vor der Geburt der Tochter verstorben, ein stattlicher Kangalmix von über 70 Kilo – auch aus Spanien, ein Straßenhund:

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Fernando, das geborene Model. Hier im Hundehotel Gruber in Österreich auf Pressereise.

Straßenhunde vs. eigene Hunde in südlichen Ländern – häufige Fragen und unsere Antworten

Können Straßenhunde aggressiv werden?

Pauschal gesagt: Ja. Jeder Hund kann aggressiv auftreten. Das hat allerdings meist einen Grund: Was mir aufgefallen ist, wie viele Instagramer, Youtuber und auch normale Touristen die Straßenhunde anfüttern. Sie rühmen sich als Tierliebhaber und Tierschützer, haben meist auch eigene Hunde dabei und füttern die Hunderudel während ihres Aufenthaltes an ihrem autarken Stellplatz täglich.

Spoiler: Wisst ihr noch, als in Kanada und den USA das Problem mit den Bären aufkam, die Wohnmobile wie eine Pringles-Packung aufknacken? Weil es da drin so leckeres Essen gibt? Ähnliches Prinzip hier: Die Straßenhunde verknüpfen irgendwann die fahrenden Futtergeber mit Fresschen und fordern das dann ein.

Daher ein Appell: Nicht füttern, lieber an den Tierschutz vor Ort spenden. Außer, ihr wollt die Hunde mitnehmen und ihnen ein neues Zuhause schenken.

Sehen Straßenhunde in meinem Hund einen Rivalen und gehen auf ihn los?

Straßenhunde sind meist sehr sozial. Habt ihr den Hund bei euch an der Leine, ist das relativ sicher. Anders sieht das aus, wenn es ums Fressen geht. Gerade nachts gehen die Hunderudel auf Futtersuche und sehen dann andere Hunde – und unter Umständen die Menschen – als Konkurrenz. Für Straßenhunde geht das ums nackte Überleben – Darwin lässt an dieser Stelle grüßen. Manchmal haben sie tagelang nichts im Bauch, jeder Essensrest ist da willkommen. Also Abstand halten und gar nicht in die Nähe fressender oder nach Fressen suchender Hunde kommen ist am sichersten.

Was mache ich, wenn Straßenhunde auf mich zukommen?

Das ist natürlich abhängig von der Gesamtsituation. Viele Straßenhunde wollen einfach keine Probleme mit Menschen haben und gehen ihnen aufgrund schlechter Erfahrungen auch aus dem Weg. Habt ihr einen Hund an der Leine, haltet ihn dicht bei euch, vom Rudel abgewandt und weicht den Hunden aus.

Wie kann ich Straßenhunden etwas Gutes vor Ort tun?

In allen Urlaubsländern gibt es Tierschutzorganisationen. Die kennen ihre Pappenheimer vor Ort und vermitteln gerne Kontakte. Manchmal sind das auch Privatleute, die den Tieren helfen. Wenn ihr die unterstützt, mit Futterspenden oder Geld, ist viel gewonnen. Seriöse Tierschutzvereine arbeiten transparent, haben eine offizielle Erlaubnis um Spenden erhalten zu können und eine Webseite mit allen wichtigen Daten (Impressum, Datenschutz). Sie kennen auch die Privatleute vor Ort und sind meist gut in den Regionen vernetzt.

Ihr könnt Futterpate werden, für tierärztliche Behandlungen spenden oder Wunschlisten bei Amazon abarbeiten. Wenn ihr nicht so genau wisst, an wen ihr euch wenden könnt, fragt beim örtlichen Tierarzt nach und in online-Tierschutzgruppen. Bei einem Notfall kontaktiert den Tierarzt vor Ort.

Sollte es Situationen geben, wo ein Hund z.B. dringend Wasser bräuchte, stellt mit viel Abstand, abgelegen von Menschen, eine Schüssel mit Wasser hin. Straßenhunde sind übrigens nicht gleich Straßenhunde, viele Rudel und auch einzelne Hunde werden von Privatleuten oder dem Tierschutz betreut.

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Ein Straßenhund-Welpe kommt – und nun?

Manchmal trotten auch Welpen einfach zu euch hin, beim Essen oder wenn ihr euch bei Pausen auf den Boden setzt. Ist der Welpe alleine, könntet ihr ihn – sofern ohne Besitzer – zu einer Rettung bringen (alleine hat er keine Chance…). Steuert er aus einem Rudel auf euch zu, das klingt jetzt hart, aber – schaut weg. Klar könntet ihr den Welpen streicheln. Voller Gottvertrauen trottet der Welpe dann zum nächsten Menschen hin, der ihn packt, wegwirft oder Steine auf ihn schleudert. Damit tut ihr dem Hund erst recht keinen Gefallen.

Zudem ist da noch die Sache mit den Parasiten und Krankheiten. Und wenn Kinder und eigene Hunde dabei sind, solltet ihr immer einen Bogen schlagen. Auch wenn Welpen so niedlich sind: Im Spiel zwicken sie auch mal gern, und wenn das zufällig die Hand eures Kindes ist, könnt ihr gleich mal beim Arzt vorbeifahren (Tollwut und so).

Wo kommen die Straßenhunde eigentlich her?

Viele Straßenhunde waren einst Haushunde (auf den Kanarischen Inseln hauptsächlich Gebrauchshunde wie Jagd- oder Wachhunde), die einfach entsorgt oder ausgesetzt wurden. In Freiheit vermehren sich die Hunde unkontrolliert, es entstehen wilde Mischungen. Viele Straßenhunde leben dort, wo viel Tourismus herrscht – hier gibt es nämlich viel Müll (=Futter).

Tipp: Achtet bei “Adoptionen” bei Junghunden auf die Pfotengröße – manchmal steckt ein Herdenschutzhund im Mischling.

Tipps & Hinweise im Umgang mit Straßenhunden im Urlaub

  • Füttere keine fremden Hunde (und bitte schon gar nicht mit “normalem Essen”)
  • Füttere Straßenhunde nie aus der Hand
  • Streichele keine Straßenhunde/ fremden Hunde (Beißgefahr, Parasiten, unerwünschte Menschengewöhnung usw.)
  • Sensibilisiere auch deine Kinder für den Umgang mit Straßenhunden/ fremden Hunden
  • Lass deinen Hund nicht mit Straßenhunden zusammen (Rangkämpfe, Parasiten, Krankheiten, Konkurrenzverhalten, fehlende Kastration usw.)
  • Straßenhunde haben häufig schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht
  • Bedrohen dich Straßenhunde (das ist extrem selten), kann es helfen, Steine oder Stöcke aufzuheben (viele Menschen verjagen so die Hunde vor Ort)
  • Gut zu wissen: Kleine Hunde fallen in großer Not ins Beuteschema größerer Straßenhunde
  • Wenn du nicht in “ihr Gebiet” eindringst, oder die Hunde dich nicht als Fressfeind sehen, werden sie normalerweise nichts machen
  • Typisches Hundeverhalten ist das Ignorieren: Kläffende Touristenhunde an der Leine werden daher normalerweise gar nicht “gesehen”
  • Viele Straßenhunde haben keinen Bezug zu Menschen (Menschen sind Feinde)
  • Willst du helfen, erkundige dich nach dem Tierschutz vor Ort
  • Unterstütze Tierschutzorganisationen, die mit Straßenhunden arbeiten, mit Flugpatenschaften, Spenden oder Futterpatenschaften

Übrigens: Lange Dürren & Waldbrände bedeuten für Straßenhunde eben auch lange Durststrecken in Sachen Futter und Wasser – das kann zu aggressiverem Verhalten führen!

Viele Erlebnisse hat mir mein Mann erzählt, von der Hunderettung auf Lanzarote zum Beispiel. Lustiges; Wie sie bei Ikea einen Tisch besorgt hatten, um Hunde im Akkord kastrieren zu können. Trauriges; Wie sich im Restaurant ein Welpe auf seinen Fuß gelegt hatte, um bei ihm in Sicherheit schlafen zu können. Und er dann vorsichtig den Fuß wegzog, als er gehen musste. Oder die Wahl zu treffen, welche Hunde aus der Tötungsstation mit zur Tierrettung dürfen. Zu erleben, wie viele Jäger vor Ort die ausgedienten Jagdhunde entsorgen. Vielleicht machen wir doch mal einen Podcast. Zu erzählen gibt es viel.

HinweisDas sind allgemeine Tipps. Im Einzelfall liegt es natürlich am Urlauber selbst, die Situation direkt vor Ort zu bewerten. Daher sind diese Tipps nicht allgemeingültig, sondern nur eine Empfehlung: Jeder Straßenhund, jeder Hund reagiert anders und hat verschiedene Erfahrungen gesammelt. 


Titelbild Gunnerchu Shutterstock

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