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Wählerische Esser: Picky Eating oder Essstörung ARFID?

Essen spielt DIE zentrale Rolle in unserem täglichen Leben, aber manchmal treibt uns das Essverhalten unserer Jüngsten auf die Palme. Da wird gemäkelt, gemotzt und gestreikt. Eltern sind genervt, ungeduldig und versuchen, Konsequenzen zu ziehen. Das Menschen, vor allem Kinder, beim Essen wählerisch sind, ist ein Relikt der Evolution. Eine sinnvolle Sache, dass sich der Nachwuchs nicht die giftigen Beeren reinpfeift. Leider nimmt das wählerische Essen, das “picky eating” teilweise viel Raum ein. Und manchmal steckt auch eine Essstörung dahinter.

Eine gesunde Beziehung zum Essen aufbauen, Kinder gesunde Ernährung vermitteln, frisch kochen: Als Mutter oder Vater hat man ja noch so Vorstellungen. Im Idealfall klappt das alles, aber der Idealfall ist meist nicht der Normalfall. Kinder greifen lieber zu Gummibärchen statt zu Rohkost, mampfen lieber Hartweizennudeln als das dröge Vollkorn. Machen wir uns nichts vor, das schmeckt uns ja meist auch besser.

Lieber gar nichts essen als das Falsche

Es ist okay, dass Kinder mal wählerischer beim Essen sind. Ein Kind braucht über 20 Versuche, bis es ein bestimmtes Lebensmittel mag oder isst. Irgendwann sollte die aber Phase wieder vorbei sein. Kinder brauchen während dieser Phase geduldige Eltern, die das mit dem Essen auch vorleben. Aber: Manchmal nutzt alles nichts. Da tritt der Nachwuchs lieber in den Hungerstreik, als überhaupt mal zu probieren. Wir reden hier nicht von selbstständigen Teenies, sondern von Kleinkindern im Krippenalter.

ARFID ist eine Essstörung

Das Verhalten hat einen Grund, und manchmal steckt ARFID dahinter. ARFID (Avoidant/Restrictive Food Intake Disorder) unterscheidet sich vom “picky eater”, dem wählerischen Esser.

Ist es ARFID oder picky eating?

1. Wählerisches Essen: Die normale Scheu vor neuen Aromen

Wählerisches Essen, das wir hier “Picky Eating” nennen, tritt häufig auf. Es ist völlig normal, dass Kinder bestimmte Lebensmittel ablehnen oder eine Vorliebe für bestimmte Aromen und Texturen entwickeln. Gerade Bitterstoffe mögen viele Kinder nicht, und Gemüse hat häufig Bitterstoffe. Das ist wieder eine Sache aus der Steinzeit, Bitterstoffe waren ein Hinweis auf giftige Pflanzen. Die meisten picky eater wachsen jedoch im Laufe der Zeit aus der Sache hinaus und erweitern ihre kulinarischen Vorlieben. Irgendwann essen die Kinder dann verschiedene Gemüse und trauen sich an neue Gerichte heran.

2. ARFID: Nicht nur picky eating 

ARFID ist keine vorübergehende Phase. Es handelt sich um eine ernsthafte Essstörung, die über das übliche wählerische Essen hinausgeht. Menschen mit ARFID verweigern nicht nur bestimmte Lebensmittel, sondern können aufgrund von Aversionen gegenüber Gerüchen, Texturen oder Farben nicht alle Nahrungsmitteln essen. Dies kann zu Nährstoffmangel und einem erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität der ganzen Familie führen.

3. Wählerisches Essen: Häufig im Kindesalter

Wählerisches Essen ist im Kindesalter besonders ausgeprägt und kann eine natürliche Reaktion auf die Entwicklung des Geschmackssinns sein. Kinder können bestimmte Lebensmittel ablehnen, weil sie sie nicht mögen oder weil sie mit neuen Aromen und Konsistenzen nicht vertraut sind. Werden die Kinder älter, wächst sich das Verhalten meist aus.

4. ARFID: Ein Problem, das anhält

Im Gegensatz zu Picky Eatern bleibt ARFID. Manchmal sogar bis ins Erwachsenenalter. Das kann schwerwiegende Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit haben, da die Betroffenen aufgrund ihrer eingeschränkten Ernährung einem höheren Risiko für Mangelernährung und anderen gesundheitlichen Problemen ausgesetzt sind. Die Gründe für ARFID sind komplex und gehen über einfache Geschmackspräferenzen hinaus.

5. Wählerisches Essen: Psychologische Faktoren und Gewohnheiten

Picky Eating kann durch psychologische Faktoren wie Neophobie (Angst vor Neuem) oder durch erlernte Verhaltensweisen beeinflusst werden. Kinder werden beispielsweise durch die Umgebung und ihre Eltern beeinflusst, während sie Essgewohnheiten entwickeln. Wählerisches Essen spiegelt normalerweise keine tieferen psychologischen Probleme wider.

6. ARFID: Tiefergehende psychologische Aspekte

Im Fall von ARFID sind tiefergehende psychologische Aspekte im Spiel. Die Essstörung kann mit Angststörungen, sensorischen Empfindlichkeiten oder traumatischen Erfahrungen verbunden sein. Auch neurologische Unterschiede und Entwicklungsstörungen, wie beispielsweise Autismus-Spektrum-Störungen (ASD) oder Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) werden mit ARFID in Zusammenhang gebracht.

FAZIT – Selektive Essstörung ARFID oder nur picky eating?

Letztlich ist es wichtig, die feinen Unterschiede zwischen wählerischem Essen und einer selektiven Essstörung wie ARFID zu erkennen. Wählerisches Essen ist eine vorübergehende Sache und im Kindesalter verbreitet, während ARFID eine ernsthafte Essstörung ist, die andauert.

Isst dein Kind über einen längeren Zeitraum sehr wählerisch, nimm professionelle Hilfe von Kinderärzten, Ernährungsspezialisten, Psychologen oder Therapeuten an. Ein Jackpot, wenn sich eine Praxis auch mit der Thematik auskennt!

Kinderärzte und Spezialisten können Therapieempfehlungen aussprechen, zum Beispiel Hypnose, Verhaltenstherapie, Logopädie oder Ergotherapie. Wichtig ist, dass der Therapieansatz auf die betroffene Person abgestimmt ist. Außerdem ist es hilfreich, eine unterstützende Umgebung für das Kind zu schaffen. Ganz wichtig: Zwinge das Kind nicht, etwas zu essen, was es nicht möchte. Zwang ist scheisse, geht nach hinten los und das Kind verliert auch noch die sichere Bindung zur Bezugsperson. Frage stattdessen dein Kind, was es gerne essen möchte und kontaktiere bei Fragen den Kinderarzt.

Helfende Links für dich

ARFID Verein

Tipps für Picky Eater

Beratungszentrum dick und dünn

Facebookgruppe ARFID

Uni Leipzig ARFID Programm

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