Das Corona-Virus macht Ferien

Das Corona-Virus macht Ferien

Es war einmal ein kleiner Virus, Corona war sein Name (dichterische Freiheit und so). Das hält auf seiner Reise die ganze Welt in Atem, die Menschen haben Angst, bleiben zu Hause, Geschäfte schließen. “Wie langweilig”, dachte sich Corona. “Kein Mensch zu sehen. Fahre ich eben weiter und gucke, wo ich Spaß haben kann”. Und endlich wurde Klein-Corona fündig:

So oder ähnlich könnte die Geschichte von Klein-Corona beginnen. Spannend finde ich allerdings, wie sie weitergeht. Und wie sie endet.

Ich muss an “alle Vögel fliegen hoch” denken, wenn ich die Zahlen angucke. In Deutschland steigen die Fälle mittlerweile wieder, Covid-19 wird vor allem von Reiserückkehrern mitgebracht. Nicht nur aus Kroatien, Bulgarien, der Türkei oder Spanien. Ich mache mir auch Sorgen um die Infektionszahlen bei uns “dahoim”.

Egal ob Ammersee oder Ostsee, dicht gedrängt liegen die Menschen an den öffentlichen Zugängen, während die Strandbäder nur limitierte Karten herausgeben. In Möbelhäusern wird die Sau heraus gelassen, auf Feiern ein Prosit der Gemütlichkeit gefeiert. Jetzt ist Sommer, jetzt zählt nur Sonne, Wonne, Strand. Urlaub auf Teufel komm raus.

Ich laufe durch die Stadt und sehe an vielen Ecken weggeworfene Einmal-Masken. Müll auf Spielplätzen und an den Stränden der umliegenden Seen. Die Ostsee wurde heuer richtig zugemüllt. Frei nach dem Motto: Ein anderer wirds schon wegräumen. Und ich frage mich: Wann haben die Menschen aufgehört, Verantwortung für ihr eigenes Tun zu übernehmen?

Urlaub ist Luxus, kein Menschenrecht

Da wird gemosert über die Klimabewegung Fridays for Future, aus Angst, auf den wohlverdienten Jahresurlaub in der Sonne verzichten zu müssen. Als wäre der Urlaub ein Menschenrecht. Den Vergleich habe ich heute irgendwo gelesen und fand ihn so passend, dass ich ihn nicht unerwähnt lassen wollte. Nein, Urlaub ist wahrlich kein Menschenrecht. Urlaub ist Luxus. Durch Dumpingpreise und Ausbeutung ist auch schon die Karibik erschwinglich für die Tengelmann-Kassiererin. Das soll keine Abwertung sein, nur eine bloße Feststellung. Aus mir sprechen einige Jahrzehnte Reiseerfahrung.

Wenn Reisen wenigstens bilden würde. Aber in den All-Inklusive-Bunkern dieser Welt schaut der Tourist ja nicht mal mehr über den Tellerrand. Auf Ausflügen – wenn denn welche gemacht werden – herrscht häufig Inszenierung und Verkauf. Das echte Leben? Nicht im AI-Urlaub, da wird lieber ein Cocktail an der Bar geschlürft. Das prangere ich auch nicht an, jeder soll in seinem Urlaub die Erholung finden, die er braucht. Und wenn das 20 Cocktails an der Bar sind, dann ist das so.

Vergleiche mit dem Holocaust – Dummheit ganz ungefiltert

Wer dann allerdings von Gesinnungsdiktakur in den sozialen Medien schreibt, T-Shirts mit der Aufschrift “Gates noch” trägt, die Maskenpflicht mit dem Holocaust vergleicht oder fleißig Wissen aus der Youtube-Universität teilt, den kann ich nicht ernst nehmen. Solche Leute wissen nicht, was das Leben in einer Diktatur bedeutet und verhöhnen das Leid im Dritten Reich. Ich frage mich wieder: Wann haben die Menschen aufgehört, Verantwortung für ihr Tun, für ihr Handeln zu übernehmen?

Im Ernst: Was lernt ihr im Urlaub vom Land kennen? Von den Menschen, die dort leben? Was wisst ihr über die Regierung, über die Politik oder das Gesundheitssystem? Über die Arbeitslosenquote und die Corona-Fallzahlen? Es ist leicht zu sagen, dass es anderswo schöner ist. Wenn man dort nicht lebt.

Derweil tummeln sich die Touristen auf den Promenaden, in den Diskotheken und am Strand. Sogar am Gipfel. Mindestabstand my ass. Der pure Egoismus strömt aus allen Poren, die Maske hängt unterm Kinn. Ist ja Urlaub.

Und das kleine Corona-Virus war entzückt, endlich Menschen in Feierlaune. So lange war es dröge, musste sich mit Pflegeheimen und Zufallsbekanntschaften begnügen. Aber nun, eine Schaumparty nach der anderen. Familienfeiern, Gäste aus dem ganzen Land, juché! Ab geht die Party, die Party geht ab. Corona wippt im Takt, auf dem Weg zur nächsten Feierlichkeit. Das Leben kann so schön sein, vor allem im Urlaub. 

Wir verzichten dieses Jahr auf unseren geplanten Urlaub. Damit verzichte ich auch darauf, einen Teil meiner Familie nach mehreren Jahren wiederzusehen. Irgendwann wird das wieder gehen. Und solange hoffe ich, nicht selbst krank zu werden – oder jemand aus meiner Familie. Und das hoffe ich für jeden von uns.

Corona und Urlaub bzw. Corona trotz Urlaub: Da möchte ich euch noch einen TV-Tipp mitgeben vom WDR:

Das WDR Reportermagazin „neuneinhalb – Deine Reporter“ widmet eine Sendung dem Thema „Urlaub trotz Corona“.

Dort werden Alternativen aufgezeigt, wie sich trotz begrenzter Möglichkeiten in diesem Sommer schön Urlaub verbringen lässt – auch bei uns in Deutschland. Das Erste, Samstag, 22. August 2020, 08:15 Uhr, auf neuneinhalb.wdr.de

 

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