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Blogserie Südtirol – meet the policia: Hinfahrt mit Hindernissen (1)

Einfach mal ausspannen! Okay, nebenbei nehmen wir die Küche der Ferienwohnung in Angriff, aber hey, Tapetenwechsel. Aber wie es bei uns einfach immer ist: Einfach Urlaub wäre zu einfach – auch in Südtirol!

Täglich grüßt die Kindergarten-App: Neue Corona-Fälle bestimmen das Infektionsgeschehen, zwischendurch Meldungen in Sachen Einschulung, Ostern und Eltern-Engagement. Ich renne von Stockwerk zu Stockwerk und sammele Klamotten ein. Leider habe ich den Zwang, alle Kleidungsstücke säuberlich zu sortieren und einzuräumen, bevor ich Koffer packen kann. Das verzögert das Packen unnötig, aber nichts hasse ich mehr, als die Lieblingshose nicht zu finden, weil die gerade auf einem Wäscheständer herumgammelt. Schweißgebadet der Blick zur Uhr: Gleich kommen die Kinder aus dem Kindergarten, Mittagessen, dann los.

So der Plan.

Aber da fehlt noch etwas. Nebst Klamotten muss der Hänger umgeladen werden, wir reisen diesmal nicht mit leichtem Gepäck: Eine Küche begleitet uns. Wir renovieren in der Ferienwohnung: Alte Küche raus, streichen, neue Küche rein. Klingt ganz einfach, geplant sind dafür zwei Tage (hahaha!). Der Mann lädt also die Küche in den Hänger, schichtet Werkzeug dazwischen, packt vorsichtshalber noch die Skiausrüstung und Schlitten ein. Roller und Puky dürfen auch mit. Falls es nicht schneit. Ich ignoriere das laute Fluchen, weil die Plane viel zu groß ist, der Mann muss improvisieren. Die Hängerplane, die passt, liegt irgendwo. Bestimmt. Ich suche Lebensmittel zusammen. Die Kühlbox muss auch mit. Wir bauen ja den Kühlschrank aus.

Fernsehen ist auch irgendwie Notwehr

Zwei Kisten, zwei Koffer, zwei Taschen und mehrere Leinentaschen später trudeln die Kinder ein. Die Tochter steigt nicht aus dem Auto, zu groß die Angst, dass wir ohne sie fahren. Der Große lässt vorsichtshalber die Schuhe an und fragt im zwei-Minuten-Takt, wann er den Koffer endlich ins Auto bringen darf. Wir spendieren eine Runde Paw Patrol via Prime, das fällt unter Notwehr. Irgendwann müssen wir ja mal los. Um halb drei Nachmittags schlage ich vorsichtig vor, morgen in aller früh zu starten, das wäre vermutlich entspannter, bis alles im Wagen ist. Bayerische Ablehnung, gepaart mit unerschütterlichem Optimismus schlagen mir entgegen.

Seufzend suche ich die Reisepässe heraus und kontrolliere das Einreisedokument für Italien. Alle Impfzertifikate sind geladen, alle Dokumente dabei. Währenddessen karrt der Mann den heiligen Koffer des Kindes zum Auto. Fauxpas passieren eben auch den Besten.

Einige Fehler macht man nur einmal – zum Beispiel nur zwei CDs einpacken

Tatsächlich schaffen wir es, um 15 Uhr im Auto zu sitzen. Gut, der Mann rennt noch zweimal zum Haus, irgendwas vergessen wir ja immer. Aber Hauptsache, das Töpfchen ist an Bord. Beim Blick auf das Gepäck frage ich mich schon, wie wir zweimal nur mit Handgepäck für fünf Tage ins Flugzeug gestiegen sind. Oder mit dem Jeep auf Reisen waren. Gut, der hatte Dachträger und wir viele Reisesäcke auf dem Dach verschnallert. Verdräng ich ja gern.

Die erste Pinkelpause nach 201 “wann sind wir da”-Rufen und drei Wiederholungen der Drache Kokosnuss-CD machen wir bei Mittenwald. Mit Hänger zieht sich die Fahrt etwas, das haben wir erwartet.

Traditionen pflegen & Tropenfeeling beim gelben M

Essen wollten wir in Innsbruck. Das hat Tradition; hier stoppte der Ehemann mit seinem Freund jedesmal beim gelben M, um zu snacken. Wir setzen die Tradition fort, der Veggie-Burger dort hat es uns nämlich angetan. Leider wurde in Österreich die Maskenpflicht bereits aufgehoben, und eine besondere Spezies an Gästen lief triumphierend mit triefenden Burgern und wonnigen Gesichtern ohne Abstand am Tisch vorbei. Bei tropischen Temperaturen (warum??) saßen wir also dort, im besten Feierabendverkehr. Vor uns echte Burger als Veggieburger deklariert, übermüdete aufgeregte Kinder mit Schleich-Giraffen-Babys und der Tochter, die das Softeis strikt ablehnt. Ok, reicht auch wieder, wir wollen weiter.

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Hänger und Auto parken bei Billa, leider war es schon nach acht. Glücklicherweise blieb die Schranke offen. Bei unserem Glück…

Die Kühlbox des Grauens

Wir fahren die nächste Tankstelle an. Und wurden prompt vom Auto daran erinnert, dass die Kühlbox auch beim Parken Strom zieht. Nölend blubbert es unter der Motorhaube, Kühlbox aus, Radio aus, Auto läuft wieder. Mit Blick auf die Skischanze wollen wir bei Matrei auf die Brenner-Autobahn. Auffahrt gesperrt. Umleitung. Umleitung geändert. Rückwärtsgang mit Hänger durch Baustelle, fröhlich blinken die Lichter. Wieder zurück, Umleitung aufgehoben, rauf auf die Autobahn.

Auf Irrwegen bis zur Policia

Gemütlich tuckern wir zur 12. Wiederholung von Drache Kokosnuss & der Zauberlehrling über die Autobahn. Mautstelle in Sichtweite, wir reihen uns brav hinter einem Sprinter ein. Leider scheint den Fahrer irgendwas zu beschäftigen, er fährt nicht weiter und legt stattdessen den Rückwärtsgang ein. Ich beneide den Mann nicht, der jetzt mit Van und Hänger rückwärts aus der engen Mautstelle bugsieren muss. Fluchend reihen wir uns daneben ein. Die Schranke öffnet sich, und wir dürfen direkt links heranfahren, Polizeikontrolle. Ja, ich hätte uns auch herausgewunken. Leider wachen in diesem Moment die Kinder wieder auf, und wie das so ist mit müden kleinen Kinder am Abend, ist es auf einmal sehr laut im Auto. Davon lässt sich der Polizist nicht beeindrucken und entschwindet mit unseren Papieren. Die Hoffnung ruht auf den kreischenden Kindern, dass wir die Hängerplane nicht lüften müssen. Das Gefummel mit der Plane braucht keiner mehr um die Uhrzeit.

Alles klar, wir können weiterfahren. Leider springt der Wagen wieder einmal nicht an. Die Kinder maulen, weinen, der Drache singt und der Polizist guckt komisch. Urlaub, so schön.

Serpentinen heben die Laune bei drei von vier Autoinsassen

Immerhin, nach vier Versuchen stottern wir uns vom Fleck und tuckern mit Hänger weiter Richtung Klausen. Hier geht es in schwindelerregende Höhen, ich schwitze zur 17. Folge Kokosnuss vor mich hin und gucke angestrengt an die Bergwand. Der Mann nimmt es sportlich “den Hänger merkt man hier gar nicht haha” und ich würde am liebsten zu Fuß den Berg hoch. Zur Beruhigung sage ich mir, dass ich den Weg auch 2015 in seinem BMW auch geschafft habe. Und der Mann fährt die Strecke, seit er 18 ist, kennt also jede Kurve.

Kein Strom, kein warm. Willkommen in Südtirol.

Endlich da. Das Bergdorf liegt in völliger Stille. Bis wir die Autotüren öffnen. Zack, Kinder wach. Kreisch. Es ist kalt, wir müssen den Hänger abhängen und das Auto umparken. Ich trage die Tochter in den zweiten Stock, der Mann schleppt schon zwei Taschen mit. Leider hat er den Schlafsack fürs Kind vergessen und muss nochmal runter. In der Wohnung ist es kalt und dunkel. Leider bleibt das auch so, trotz Einschalten der Sicherung. Der Große will wieder nach Hause, die Lütte will JETZT schlafen. Ich suche verzweifelt die leuchtenden Hasen der Kinder, für mehr Gemütlichkeit. Während der Mann telefonierend in den Keller rennt, versuche ich die Sofas auszuklappen, scheitere aber am heulenden Kleinkind, was gerade für Aufruhr in der Nachbarschaft sorgt. Ja, so ein Mehrfamilienhaus hat schon was. Ich fühle mit meiner Freundin, die mit Kind und Kegel im dritten Stock Altbau mitten in Solingen wohnt. Bloß nicht zu laut!

Irgendwann geht das Licht an, die Heizung läuft und wir beziehen die Betten. Es ist ungefähr 23 Uhr und die Kinder schlafen. Endlich Urlaub.

Lust auf Meer? Hier gehts zur Blogserie OSTSEEURLAUB MIT KINDERN

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Kristina

    oh wow das kling maximal unentspannt ich hoffe euer Aufenthalt wir um einige Nummern besser. Schöne Ferien!!

    1. Kuchenerbse

      Danke, leider rückblickend durch Corona nicht besser, nur schlechter 🙂 liebe Grüße

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