Chemnitz – Nicht nur in Sachsen

Chemnitz – Nicht nur in Sachsen

Vorhin fuhr ein Augsburger Auto an mir vorbei. Ein Auto mit politischem Statement auf dem Kennzeichen: A-FD XXX. Natürlich, das könnte ein Zufall sein. Aber der Fan-Aufkleber widersprach der Zufälligkeit. Hier bei uns, hier ist es (noch) nicht die große Mehrheit, die Angst vor dem Fremden, vor Überfremdung hat. Trotzdem spricht auch Augsburgs Wahlergebnis eine deutliche Sprache – pro AfD. Der Rechtsruck, der spürbar durch Europa tobt, ist auch hier angekommen. In Deutschland. Einem Land, in dem aufgrund seiner Vergangenheit so etwas nie wieder passieren sollte.

Hitlergrüße auf offener Straße. Bedrohung von Journalisten. Parolen gegen Ausländer. Hetzjagden. Sandhandschuhe auf “Trauermärschen”. Chemnitz 2018.

Das ist gewiss nicht die Mehrheit, aber diese Minderheit ist sehr laut. Sie wurde laut durch Verfehlungen des Staates, durch das Nicht-Einschreiten des Rechtsstaates, durch manipulierende Bots in den sozialen Medien, durch Filterblasen. Doch das eigentliche Problem ist meiner Ansicht nach die Angst, die Unwissenheit. Und der daraus resultierende Hass. Die Rechten haben sehr viel gemein mit islamistischen Extremisten. Gut, einige stehen einfach auf Krawall. Die müssen auch nicht “abgeholt” werden, da sollte der Rechtsstaat aktiv werden.

Nur; in Sachsen scheint der auf dem rechten Auge blind zu sein. Heute verkündet der sächsische Ministerpräsident “es habe keinen Mob, keine Hetzjagden gegeben” und “er warnt vor der Überheblichkeit vor den Menschen in Ostdeutschland”.

Erst vor kurzem schrieb ich über Werte und Moral, in welcher Welt unsere Kinder aufwachsen sollen – über Vorbilder, die Werte vermitteln. Früher waren das durchaus mal Politiker. Heute auch noch. Leider mit den falschen Wertvorstellungen und keiner Moral. So ist das Gefühl, zumindest in Sachsen.

chemnitz-elternblog
Die Filterblase ist nur ein kleiner Ausschnitt – erweitere sie und glaube nicht alles, was du siehst. Sei kritisch.

Ich urteile nicht pauschal, dazu kenne ich zu viele Leute “aus dem Osten”. Und ich kenne die Schwierigkeiten dort: Wenn du bei Einbruch der Dunkelheit zuhause sein solltest, zumindest wenn du ein bestimmtes Klischee erfüllst (“Gutmensch”, “Ausländer” usw.). Das war der Stand vor knapp 10 Jahren in der östlichsten Stadt Sachsens. Und gewarnt wurde da nicht von Migranten, sondern vor den Rechten. Meine Empörung verstand da damals keiner, warum diese Schlägertrupps durch die Straßen ziehen durften. Ich habe viele Streifenwagen herumfahren sehen. Daran lag es nicht. “Ist halt so”, war die lapidare Antwort. Andererseits schwappte auch viel Kriminalität durch die Öffnung der Grenze in die Stadt, Wohnraum wurde teuer für die Einheimischen, Jugendzentren schlossen und die Firmen machen reihenweise dicht. Klar, dass die Frustration da wächst. 

Trotzdem: Wer bei seinen Mitbürgern – auch den Migranten – den schwarzen Peter sucht, macht es sich zu einfach. Und wer aus Protest dann auch noch rechts wählt, hat nichts verstanden. 

Nähkästchen-Plauderei: Rechts ist überall

Es ist bestimmt schon gut 20 Jahre her, da war ich auf einer Dorfdisko nahe der bayrischen Grenze. Hand hoch, wer kennt die mobilen Diskotheken noch und die damit verbundenen Partys in den örtlichen Sporthallen? Ich weiß nicht mehr warum, aber wir gingen nach draußen. Laute Schreie waren zu hören. Darunter auch “Ausländer raus”. Rechte jagten einige Ausländer mit Baseballschlägern. Sie verbarrikadierten sich in einem Wohnmobil, die Rechten schlugen auf die Tür ein. Ich sagte, wir müssen die Polizei rufen. Gelächter war die Antwort. Die sei ja hier auch rechts. 

Mittlerweile wählen immer mehr Leute AfD. In meinem Facebook-Freundeskreis kann ich sehen, wer sympathisiert. Da sind Menschen, die ich niemals rechts einordnen würde. Eher so konservativ-rechts, wie die CDU früher. Die aus Protest wählen. Die Unzufriedenen. Die, mit denen das Leben nicht so fair ist. Mal ehrlich Leute, habt ihr durch “die Ausländer” weniger in der Tasche? Glaubt ihr echt jedes bescheuerte Spruchbild auf Facebook? Prüft ihr vielleicht auch mal diese populistischen Bilder auf ihren Wahrheitsgehalt? Nein. Das macht ihr nicht. Ein Feindbild generiert sich doch nicht durch die Wahrheit… stattdessen teilt ihr fleissig den größten Sch***.

Merkt ihr denn nicht, wie euch die Rechten benutzen? Die haben keine Lösungen. Die schreien nur lauter. Das ist das ganze Geheimnis. Auf meine Fragen zur Bundestagswahl haben die nicht einmal reagiert.

PS.: Ich bin auch nicht mit allem einverstanden, was unsere Politiker da im Bundestag treiben, aber meine Alternative ist keine Extreme. Und schon gar keine Rechte. 

Wer unzufrieden ist, der kann etwas bewegen, etwas ändern. Ihr müsst es nur tun. 

Cheers, Victoria

 

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