JA zur Testpflicht an Schulen und Kitas – nach Vorbild Bostoner Middleschool

JA zur Testpflicht an Schulen und Kitas – nach Vorbild Bostoner Middleschool

Die Testpflicht für Schülerinnen und Schüler wird ja derzeit heiß debattiert. Eltern machen sich gegen die Pflicht stark, Kindern ein Stäbchen in die Nase zu stecken oder zu gurgeln. Die Befürchtung: Bleibende psychische Schäden.

Vorgestern habe ich mir viele Gedanken zur Testpflicht an unseren Schulen gemacht. Das könnt ihr HIER noch einmal nachlesen. Ich bin generell pro Test eingestellt, um die Sache mal in den Griff zu kriegen und Risikogruppen zu schützen. Leider ist das “wie” völlig außen vorgelassen worden: Im Hauruck-Verfahren bekommen die Eltern die Testpflicht aufs Tablett geknallt, Infos dazu dürfen sich Schulen und Eltern mühsam selber zusammensuchen. Das Ergebnis: Verunsicherung und Empörung und vor allem: ABLEHNUNG.

Das ist ganz schlecht. Wir wollen ja alle wieder zurück zum Alltag, nur ohne Tests wird das nichts. Reden wir nicht drumherum, die Regierung hats versemmelt. Eltern stehen auf der Prioliste mit den Kindern weit unten. Rentenzahler von morgen, was solls. Ist ja erst heute.

Der Kern der Sache: Anderswo läuft das mit der Testpflicht seit Wochen sehr erfolgreich ohne Gebimsel und vor allem ohne die befürchteten psychischen Belastungen durch das Bloßstellen von Test-Positiven. Ich will nicht lobhudeln, aber ich finde, meine Schwester sollte eine eigene Rubrik auf dem Blog bekommen. Die hat nämlich immer tolle Ideen und vor allem immer etwas zu erzählen jenseits des Atlantiks. An dieser Stelle: Danke für den Input, den reiche ich weiter. Vielleicht liest es ja jemand an den richtigen Stellen.

Testen von Schülern am Beispiel einer Middleschool in Boston, Massachusetts, USA

  • Die Kinder sind im Wechselunterricht in der Schule – ein Tag Gruppe 1, dann Gruppe 2 usw.
  • Während des Unterrichts gehen die Schüler nacheinander kurz raus. Masken bleiben im Klassenzimmer an
  • Draußen wird an jedem beteiligten Schüler ein PCR-Test durchgeführt
  • PCR-Test deshalb, weil Schnelltests zu ungenau sind
  • Das Stäbchen wird beim PCR-Test in den USA generell nicht so weit in Nase oder Rachen gesteckt wie bei uns
  • Schüler geht zurück in den Unterricht. Maske bleibt auf
  • Die Tests gehen in ein Labor zur Auswertung
  • Abends erhalten alle Eltern die Nachricht per Email, ob es ein positives oder negatives Ergebnis in der Klasse gab (ohne Namen)
  • Positiv getestete erhalten eine separate Benachrichtigung
  • Die Tests werden zweimal pro Woche durchgeführt

Warum das Rad neu erfinden, wenn es anderswo so funktioniert? Klar, so wie hier manch einer den PCR-Test abnimmt, hätte ich auch keinen Bock darauf. Ohne Rücksicht auf Verluste wird gefühlt versucht, das Hirn herauszupulen. Ist mir selber passiert, wünsche ich mir nicht. ABER: Bei kleinen Kindern (Kindergarten- und Grundschulalter) wird der TIEFE ABSTRICH gar nicht mehr gemacht lt. Gesundheitsamt Heidenheim (Baden-Württemberg) – da andere Reagenzien genommen werden, ist das gar nicht nötig.

Die Antigen-Schnelltests von Lepu, die bereits seit Wochen in Österreich im Einsatz sind, sind ziemlich genau mit einer Sensitivität von 92.00 % (95 % CI: 83.63 % – 96.28 %) und Spezifität von 99.26 % (95 % CI: 95.92 % – 99.87 %). Diese Tests sind mittlerweile auch bei uns zugelassen. Unsere Kinder lassen sich prima damit testen. Alternativ zum PCR-Test eine gute Option (nein, ich bekomme kein Geld von der Firma, ich finde einfach die Tests gut).

Was ich mir von der Landesregierung für uns Eltern wünsche

Verbesserung von Kommunikation & Information

Was ich mir außerdem wünsche für uns Eltern ist bessere Kommunikation und Information. Da werden einem nur ein paar Brocken hingeworfen, ein Aufschrei hallt durch die Medien und nun organisieren sich besorgte Eltern zum Protest. Danke für Nichts, liebe Verantwortlichen. Mal wieder ein Meisterstück der Konzeptlosigkeit, Applaus. Es geht auch besser. Wir könnten das besser. Wir haben Fachkräfte für solche Fälle in der freien Wirtschaft. Die können Krisen managen. Eure Berater und ihr selbst eher nicht so. Nichts für ungut.

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Infos bündeln – digital, versteht sich

Ehrlich, wer macht sich schon die Mühe und liest sich durch die ganzen Seiten bei euch, muss von Link zu Link springen? Warum nicht eine Seite für Schulen, nur für Corona-Infos der Länder? Unterteilt nach Schulart von Grundschule bis Gymnasium. Nehmt die Kitas mit dazu, dann sind alle Infos kompakt verfügbar.

Nehmt die ins Boot, um die es geht

Lasst die Schulen nicht allein! Eine Förderschule im Münchner Umland weiß heute noch nicht, ob nicht doch Ehrenamtliche einer Organisation zum Helfen kommen oder nicht. Wo sind die Konzepte, die Anleitungen?

Emaillisten, verdammt!

Werdet endlich digital – jede Schule sollte einen Emailverteiler an Eltern haben. Pro Klasse versteht sich. Aber nein, hier organisieren sich die Eltern teilweise selber über Whatsapp, um Infos zu erhalten.

Mehr – von allem bitte

Baut mehr Schnelltest-Stationen auf – und weist diese öffentlich aus. Jede Webseite einer Gemeinde sollte einen Plan mit eingezeichneten Teststellen haben. Und mal im Ernst: DAS SIND ZU WENIG! Ich spreche von Augsburg. Auch Schwabmünchen hat nun ein Testzentrum nähe Marktkauf. Was viele nicht wissen: Auch Hausärzte oder Apotheken bieten einmal wöchentlich die Tests kostenlos an. Aber die Infos stehen nicht gebündelt auf der Stadt-Webseite.

Und dann die Öffnungszeiten: Das ist doch nicht euer Ernst! von sechs bis 15 Uhr? Sonntags geschlossen? Genauso wie so manche Impfzentren oder Gesundheitsämter, die Zahlen übermitteln sollen. Feiertag? Zack, zu. Corona? Nebensache, erstmal ordentlich zum Gottesdienst, der darf ja, da ist offen. Bravo.

Testet auch die Kitas

Auch Kita-Kinder sind Überträger des Virus. Mutationen greifen außerdem besonders aggressiv Kinder an. Andere Kinder leiden nach einer Infektion an PIMS, das ist lebensbedrohlich. Im Ernst, 15-25 Kinder auf engstem Raum ohne Abstand – weil einfach nicht machbar – sind das reinste Roulette für Eltern mit Risikofaktoren. Zuhause lassen? Kinder brauchen soziale Kontakte. Eltern arbeiten. Und so weiter. In NRW – das kam gerade druckfrisch per Whatsapp rein – erhalten die Eltern Tests von den Kindergärten, damit die Eltern die Kinder zuhause zweimal die Woche testen. Keine astreine Lösung, aber immer noch besser als nichts, oder?

Liebe Landesregierung, ihr habt es doch in der Hand, Vorgaben zu machen, Empfehlungen auszusprechen und Hilfestellung zu leisten. Und ihr hattet ein Jahr Zeit, Lösungen zu finden. Ihr habt das Jahr nicht genutzt. Auf Kosten von Familien, von Müttern, Vätern und Kindern haben sich einige auch noch bereichert. Das konzeptlose Vorgehen ohne weiter zu denken – dafür hatten wir in der ersten Welle Verständnis.

Und jetzt sind wir sauer.

Nachtrag: Als kompetente Eltern müssen wir immer das Nutzen-Risiko-Verhältnis abwägen. Psychische Probleme wird es vielleicht vereinzelt geben, wenn Eltern oder inkompetente Lehrkräfte die Kinder nicht gut auffangen in einer belastenden Situation. Die Mehrheit wird es nicht betreffen. Aber die Mehrheit kann am Virus erkranken oder Corona weitergeben.


Service

Die Schnelltestzentren der Stadt Augsburg befinden sich hier (Quelle: Augsburg.de)

Schnelltestzentrum Plärrergelände (Modulkomplex der Plärrerwache, Schwimmschulstraße 30, 86153 Augsburg:

  • montags bis freitags 15 bis 20 Uhr
  • samstags 10 bis 18 Uhr 

Schnelltestzentrum Maximilianstraße 59 (ehemalige Räume des Leopold-Mozart Konservatoriums)

  • montags bis freitags 6 bis 15 Uhr
  • samstags 10 bis 18 Uhr

Folgende Stationen sind geöffnet von Montag bis Freitag, 8 bis 16 Uhr:

  • Haunstetten
    vor der Eishalle, Unterer Talweg 100, Testmobil
  • Lechhausen
    Blücherstraße 90, Gebäude
  • Hochzoll
    Parkplatz Rudolf-Diesel-Gymnasium, Peterhofstraße 9, Container

Ab 12. April:

  • Oberhausen
    Pfarrheim St. Martin, gegenüber Eichenhofstr. 3,
    geöffnet Mo, Di, Do, Fr 8 – 16 Uhr

Bildnachweis: Shutterstock/ Suchawalun Sukjit

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