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Familienhund – soviel Zeit kostet der Hund uns Eltern wirklich

Ein Familienhund kostet Zeit und Geld. Deshalb ist es wichtig, im Vorfeld wichtige Faktoren zu überprüfen, bevor das neue Familienmitglied einzieht. Passen alle Gegebenheiten? Ein Hund braucht Zeit (ein Welpe noch viel mehr), Beschäftigung, Auslauf und Erziehung. Leben kleine Kinder mit im Haushalt, benötigen die Kinder Unterstützung durch die Eltern, um die richtigen Umgangsformen mit dem Hund zu erlernen. Und ein Familienhund kostet Geld, ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Da stellt sich die Frage: Passt ein Hund momentan überhaupt in die Familie? Zeit, Geld, Krankheiten – ist der Familienhund in jedem Fall versorgt? Dieser Frage gehen wir heute nach, denn durch Corona hat das Thema “Familienhund” richtig Fahrt aufgenommen.

Zeit, die ein Familienhund braucht

Euer Familienhund benötigt täglich Auslauf: Zwei bis drei Spaziergänge täglich sind nötig, damit der Hund sein Geschäft verrichten und sich Bewegung verschaffen kann. Auslauf gehört zu einer artgerechten Hundehaltung dazu, um fit zu bleiben, Krankheiten vorzubeugen und soziale Kontakte zu anderen zu pflegen. Das Schnüffeln und Schnuppern befriedigt das Bedürfnis nach Informationen – Hunde sind in der Lage, sich durch Gerüche eine „Umgebungskarte“ einzuprägen.

Zeit für Bewegung

Ungefähre Richtwerte fürs Gassi gehen

Kleine Hunde (bis 30/35 Zentimeter) benötigen mehrere Gassi-Runden am Tag: Jeweils 15 bis 30 Minuten sollten sich die Hundebesitzer Zeit nehmen, um mit ihnen zu laufen. Je nach Alter und Konstitution sollten sich ruhige und anstrengende Phasen abwechseln (Rennen, Spiel, Gehen, etc.).

Große Hunde sollten pauschal mindestens zweimal täglich jeweils eine Stunde Gassi gehen. Jeweils 15 Minuten davon sollte fürs Spielen eingeplant werden. Das ist das Minimum; manchmal muss auch ein großer Hund mittags oder vor dem Schlafen gehen noch einmal kurz raus. Bewegungsintensive Hunderassen- oder Typen brauchen wesentlich mehr Zeit fürs Gassi gehen.

Die Bewegung richtet sich wirklich individuell nach Hund und Konstitution, obige Werte sind Mindestanforderungen.

Achtung Zeitintensiv – Hunde mit viel Bewegungsdrang

Hunde mit viel Bewegungsdrang wie Schlittenhunde (z.B. Huskys), Windhunde, Jagdhunde oder Hütehunde) brauchen deutlich mehr Bewegung und Beschäftigung als andere Hunderassen.

Alaskan Malamutes und Huskys (und Kreuzungen) müssen täglich mehrere Stunden Bewegung haben. Idealerweise laufen sie neben dem Fahrrad her, auch Jogger mit viel Kondition haben Freude an solchen Hunden. Für Familien sind diese Hunde nur bedingt geeignet, durch ihren Bewegungsdrang sind sie sehr zeitintensiv in der Haltung. Diese Hunderassen leben übrigens am liebsten draußen mit ihren Artgenossen.

Schlittenhunde in Familien – aber artgerecht

Ich kenne Familien, die Huskys professionell und an ihre Bedürfnisse angepasst halten: Im Sommer rast der Sohn mit dem Rollschlitten über die Feldwege, im Winter kommt der richtige Schlitten raus. Die Hunde leben am Haus im Rudel mit Familienanschluss. Ihr seht, diese Hunde eignen sich auch für Familien, wenn die Haltung stimmt.

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Zeit für Beschäftigung

Die meisten Hunderassen benötigen zusätzlich „Kopfarbeit“, sonst wird es ihnen schnell langweilig. Folgen sind das Zerstören von Mobiliar, Kleidung oder Kinderspielzeug und andere Unarten wie das Hochspringen oder am Hosenbein zerren (Aufforderung zum Spielen).

Kinder können hier – je nach Alter – wunderbar helfen, den Hund zu beschäftigen: Nach Anleitung, bspw. in einer Hundeschule, lernen Kinder und Hunde Agility oder Trickübungen. Auch das Apportieren von Bällen oder Stöcken macht allen Beteiligten viel Spaß.

Einige Möglichkeiten zur Beschäftigung von Hunden

  • Agility
  • Trickübungen
  • Apportierübungen mit Ball, Hundefrisbee oder Stock
  • Mantrailing im Verein
  • Ausbildung zum Rettungshund im Verein
  • Suchspiele (z.B. Verstecken von Leckerlis)
  • Dog Dance

Nicht alle Hunde brauchen viel Beschäftigung. Aber Rassen wie bspw. Schäferhunde, Border Collies oder Australian Shepards (Hütehunde) möchten „mitdenken“, das wurde ihnen in die Wiege gelegt. Glücklicherweise lassen sich auch „Kopfübungen“ beim täglichen Spazierengehen einbauen.

Agility – was ist das eigentlich?

Agility ist eine Hundesportart, bei der der Hund einen Parcours mit Hindernissen (Slalom, Balance, Hürden) absolvieren muss. Der Hundehalter dirigiert ihn dabei, darf aber nicht in direkten Kontakt treten, um zu helfen.

Zeit für Erziehung & Beziehung

Hunde brauchen Erziehung, und Hunde brauchen soziale Kontakte. Idealerweise lässt sich beides beim Besuch einer Hundeschule kombinieren. Es lohnt sich, mit seinem Hund regelmäßig eine Hundeschule zu besuchen: Davon profitiert am Ende die ganze Familie. Wichtig: Während Corona haben zwar Hundeschulen zu, aber Einzeltraining oder gemeinsames Gassi-Gehen ist möglich.

Machen wir uns nichts vor, wir alle haben das Bild des perfekten Familienhundes vor Augen:

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Das wünschen wir uns

Die Kinder spielen harmonisch mit dem Hund, während die Eltern sich auch mal gemütlich zurücklehnen können. Beim Gassi gehen läuft der Hund ruhig und ohne Leine „bei Fuß“ nebenher, die Kinder radeln lachend vorbei, ein Eis in der Hand. Und wenn die Familie mal ohne Hund unterwegs ist, bleibt der brav schlafend zuhause und wartet geduldig.

Ja, das gibt es. Aber das bedeutet auch, das bereits sehr viel Zeit in die Erziehung des Hundes (und der Kinder) gesteckt wurde. Denn was wir sicher alle schon einmal gesehen haben, ist doch eher das Bild, oder?

Das ist die Realität

Die Kinder rennen dem Hund kreischend hinterher, der sucht sein Heil in der Flucht und reißt dabei die Mutter mit dem Kaffee in der Hand um. Es klirrt, der Vater versucht, Kinder, Hund und Scherben voneinander zu trennen. Der Hund mopst noch schnell den Kuchen vom Tisch und verzieht sich hinters Haus. Die Kinder weinen, die Eltern sind genervt. Draußen, beim Gassi gehen, zieht der Hund wie verrückt an der Leine oder ignoriert beim Freilauf alle „bei Fuß“-Kommandos und rennt fast vor ein Fahrrad. Und während die Familie außer Haus ist, werden genüsslich die Lieblings-Turnschuhe mit Blinkis von Kind 1 zerlegt.

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Zeit für Kinder und Hunde

Klar in den Vordergrund stelle ich die Zeit, die Eltern brauchen, um Hund und Kind in Einklang zu bringen. Über diese Zeit und diesen Aufwand wird wenig geredet, dennoch ist er da. Und je jünger die Kinder sind, desto größer ist der zeitliche Aufwand. Und umso geringer die Nerven der Eltern. Hier einige Beispiele:

  • Kleinen Kindern müssen Eltern nonstop erklären, dass der Hund kein Spielzeug ist und auf seinem Platz seine Ruhe braucht
  • Eltern müssen kleine Kinder davon abhalten, den Hund grob zu packen oder auf ihm zu reiten – mitunter 35 -115 Mal am Tag
  • Eltern müssen wirklich dafür sorgen, dass der Hund auf seinem Platz seine Ruhe hat
  • Eltern müssen aufpassen, dass Kinder den Hund nicht mit irgendwelchen Sachen füttern, die sehr ungesund oder giftig sind (Schokolade zum Beispiel)
  • Eltern müssen den Hunden beibringen, tobende Kinder auszuhalten und nicht an ihnen hochzuspringen
  • Eltern müssen den Hund so erziehen, dass der Hund nicht zuschnappt, wenn das Kind doch versehentlich mal grober zupackt
  • Dem Hund muss vermittelt werden, dass die Kinder in der Rangfolge über ihm stehen
  • Der Hund muss eine Rückzugsmöglichkeit haben
  • Die Eltern müssen Kinder und Hunde immer im Auge behalten, um zu sehen, wann der Hund warnt (wenn sein Ruhebedarf nicht respektiert wird)

Meine Ansprüche, seine Ansprüche – Kompromiss oder Kollision?

Summieren wir diese Zeitanforderungen, ist es mit einer Stunde Gassi gehen am Tag nicht getan. Ein Hund ist nicht nur auf dem Papier ein Familienmitglied, sondern sprichwörtlich: Ein Hund kostet Zeit. Jeden Tag. Und dass über viele Jahre, einige Rassen werden 15 Jahre und älter. Und je älter, desto zeitintensiver wird die Hundebetreuung:

Hunde können dement werden oder inkontinent, sie benötigen vielleicht einmal Spritzen (mehrmals am Tag) gegen ihren Diabetes oder müssen durch eine Augenerkrankung vorsichtig geführt werden, weil sie nicht mehr sehen.

Diese Summe an Zeit sollte wirklich jeder Hundehalter in spe für sich nachrechnen und prüfen, ob das mit der Lebenssituation vereinbar ist.

“Ein Border Collie sieht toll aus, aber werde ich dem Hund und seinem Bewegungs- und Arbeitsdrang gerecht? Vielleicht wäre ein genügsamer Hund besser, wenn ich selber nicht so gerne viel laufe?”

“Mein Opa hatte einen so lieben Dackel, und nun soll es einen für die eigene Familie mit drei kleinen Kindern unter sieben Jahren sein? Vielleicht eignet sich da eine kinderliebe Hunderasse wie Golden Retriever besser, und ich warte noch einige Jahre?”

Ein Hund = kein Hund: Diese Gleichung muss gar nicht sein. Manchmal reicht es auch, seine eigenen Ansprüche noch einmal zu prüfen, und einen Kompromiss zu finden. 

Erzählt mal, wohnt bei euch schon ein Familienhund? Wie seid ihr zu dieser Entscheidung gekommen?

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Hinweis: Die Bilder wurden während unseres Aufenthaltes im Hundehotel Gruber in Bad Gastein aufgenommen. Vielen Dank für das herzliche Willkommen dort!

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