Außenstelle Balkon – fast wie Urlaub: Mit Bibi, Baby & Baulärm [Familiengedöns in Krisenzeiten 4]

Außenstelle Balkon – fast wie Urlaub: Mit Bibi, Baby & Baulärm [Familiengedöns in Krisenzeiten 4]

Mit dem Selbstauslöser versuche ich ein Bild vom Homeoffice zu schießen. Derweil zieht sich das Baby den Sonnenhut vom Kopf und steuert zielsicher auf das Kätzchen zu. Dazu muss ich sagen, ich sitze auf dem Balkon. Hört sich nur halb so idyllisch an, wie es ist. Damit die Kinder an der frischen Luft sind, wollte ich das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Sagen wir so, kennt ihr den Satz mit X?

Die Katze wirft sich wiederholt zielsicher vor das Baby, das kreischend versucht, die Katze zu streicheln. Die Feinmotorik üben wir noch. Der Sohn hat als erstes seine Matratze rausgeschleppt, begleitet von lauten Flüchen, weil das Baby ja ständig drüber krabbelte. Wir sind halt sehr authentisch in der Erziehung. Nun hört er Bibi Blocksberg, das Baby verfolgt die Katze, die Katze schreit, die Sonne blendet und ich versuche zu arbeiten. Währenddessen genießt der Ehemann die himmlische Ruhe seines Büros.

Wobei ich mich nicht beklagen will, im Wohnzimmer geht es deutlich lebendiger zu als hier oben auf dem Balkon. Da stehst nichtsahnend in der Küche und hörst nur “eins, zwei, drei HUIIIIIIII – gefällt dir das?”

Alarm hier kommt ein Notruf…

Bei erfahrenen Eltern läuten da sämtliche Alarmglocken. Auch bei Sätzen wie “Kuckuck, ja wo bist du denn?” – LAUFT und seht nach, was die Kinder da machen! Entfällt hier komplett, hier wuselt es um meine Beine. Dass ich alle 20 Sekunden den Sonnenhut wieder auf Babys Kopf setzen muss, was solls. Wir atmen Frischluft. Echt ländlich. Die Bauern haben gedüngt. Die Nachbarn betätigen die Kreissäge. So idyllisch. Das Instagrambild vermittelt dagegen Südseefeeling. Wer braucht die Realität, wenn die Säge dröhnt und schräg gegenüber ein Gartenhaus gebaut wird? Hier wird nämlich im Duett gewerkelt.

Gewerkelt wird hier irgendwie immer. Egal wann. Was total cool ist, denn wenn wir mal werkeln müssen, stört das auch keinen. Ich blicke auf und versuche einen Blick auf die Berge zu erhaschen. Fernweh und so. Ich sehe ein Rapsfeld und das Baby ohne Hut. Es hämmert gerade mit dem Holzauto die Fliesen auf dem Balkon kaputt. Im Hintergrund heult Bibi, irgendein Drama mit Ostereiern. Seufz.

Super-Mama-Saft – wer will noch mal, wer hat noch nicht?

Nachher werde ich wieder eine Mama-Sendung gucken. Mare TV oder so. Irgendwas gegen mein Fernweh. Aber das liegt noch ungefähr noch 120 Mal Babyhut-aufsetzen entfernt.

Ein Tag – der Dienstag – der lief hier richtig gut. Ein Tag mit den Kindern ohne Gemotze (von meiner Seite). Alles funktionierte reibungslos, ich vermute, der Mann hat mir Super-Mama-Saft oder sowas in meinen morgendlichen Kaffee geschüttet. Anders ist das ja nicht zu erklären. Der Wind frischt auf. Ich verlasse nun mein Blocksberg-Homeoffice um das Baby in Schlaf zu schunkeln und gleichzeitig mit dem Kind zu malen. Neue Stifte vom besten Patenonkel – entdecke die Möglichkeiten!

Edit: Das Baby ist gewachsen und erreicht nun mein Notebook. Hurra.

Learning der Woche: Spritzen kriegen ist gar nicht so schlimm, wenn die beste Ärztin impft.

Erfolg der Woche: Das Baby kann jetzt über den Sitzsack krabbeln.

Das lief jetzt nicht so gut: Homeoffice mit Kindern. Und der Versuch einer Blumenkohlsuppe. Mit Knoblauch.

Das möchte ich noch sagen: Ich brauche Schlaf.

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