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Eine kleine Fallstudie: Wie gehe ich mit denen um, die sich nicht impfen lassen wollen?

Impfen oder lieber nicht? Kaum ein Thema spaltet derzeit die Gemüter wie diese Debatte. Fakt ist: Die letzte Pandemie dieser Größenordnung hat keiner von uns je erlebt. Und Impfstoff gabs da auch nicht. Wir sind geimpft, das ist kein Geheimnis. Aber wir kennen auch viele andere – vor allem Eltern – die sich nicht gegen Corona impfen lassen.

Die Impfdebatte gibt es schon Jahrzehnte. Früher waren es jedoch einige wenige; bei Masern wurde eine Impfpflicht für bestimmte Berufe bzw. Tätigkeiten eingeführt. Der Aufschrei war kurz, nur eine Handvoll Menschen wanderten lieber aus, um ihre Kinder zuhause zu beschulen oder einer anderen Tätigkeit nachzugehen.

Bei Corona ist die Sachlage eine ganz andere. Die Pandemie – mittlerweile in der vierten Welle – nimmt kräftig Fahrt bei uns auf. Und ein Teil der Bevölkerung weigert sich, sich gegen Corona impfen zu lassen. Ich versuche nicht abzuschweifen und mich aufs eigentliche Hauptthema zu besinnen: Der Rest wurde zur Genüge durchgekaut und ist leicht zu Googlen.

Wie gehe ich mit Ungeimpften in meinem Umfeld um?

Vor kurzem las ich bei einer Bloggerin die Headline “Geimpft oder nicht – wir bleiben Freunde”. Ein schöner Gedanke, allerdings in meinen Augen zu kurz gedacht. Ich finde, es kommt sehr auf den Einzelfall an. Vermutlich hast du eine Lösung für das Problem “wie gehe ich mit Ungeimpften um” gesucht und bist hier gelandet.

Leider muss ich gleich eines vorweg nehmen: Pauschale Lösungen gibt’s nicht. Aber ich möchte ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern:

Ich kenne Menschen in meinem Umfeld, die testen sich regelmäßig, beschränken ihre Kontakte und möchten gerne auf den Totimpfstoff warten. Klar, bis der zugelassen wird, haben sich die Personen vermutlich schon angesteckt. Aber die Freundschaft deswegen kündigen? Nein.

Ich kenne Menschen in meinem Umfeld, die halten nichts von den Maßnahmen, halten sich trotzdem daran. Und zwar akribisch. Impfen lassen wollen sie sich nicht. Die Freundschaft kündige ich nicht. Fällt für mich unter Meinung (auch wenn die Fakten etwas anderes sagen), ist auch nicht einfach auszuhalten.

In einigen Fällen hilft nur: Freundschaft kündigen

Ich kenne Menschen in meinem Umfeld, die tragen zwar die Maske, engagieren sich jedoch im Querdenker-Milieu. Impfen kommt natürlich nicht in Frage. Querdenker marschieren mit Neonazis, ermorden Menschen und gefährden die öffentliche Sicherheit. Keine Freundschaft.

Ich kenne Menschen in meinem Umfeld, denen von ihren Ärzten von der Impfung abgeraten wird (aus richtigen wie aus längst widerlegten Gründen). Sie halten sich an alle Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, sind teilweise auf Herdenimmunität angewiesen. Natürlich bleiben wir Freunde.

Ich kenne Menschen in meinem Umfeld, die halten sich an alle Maßnahmen, testen fast täglich, halten die Pandemie aber für eine kleine Grippe. Sie engagieren sich gegen die Impfung und halten Fakenews für wahr und verbreiten sie. Häufig sympathisieren sie mit Verschwörungstheorien. Das ist für mich grenzwertig und ich versuche, in Diskussion zu bleiben, wenn mir die Freundschaft wichtig ist. Andernfalls wird der Kontakt reduziert.

Ich kenne Menschen in meinem Umfeld, die halten sich meist an alle Maßnahmen. Aber sie möchten sich nicht impfen lassen. Bei ihren Hobbys treffen sie Gleichgesinnte und dort bestärken sie sich gegenseitig. Dort pfeifen sie oft auf die Maßnahmen. Sie kennen niemanden, der schwer an Corona erkrankt ist, persönlich. Von ihrem Heilpraktiker* wissen sie, dass ihr Immunsystem durch Globulis und Schüsslersalze gewappnet ist und möchten lieber die Erkrankung durchmachen. Schwierig für mich, offen gesagt. Ich halte Kontakt, jedoch nicht durch Anwesenheit.

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Wir schützen unsere Kinder

Das waren nur einige Fälle, alle sehr individuell. Letztlich kommt das stark auf das Freundschaftsverhältnis an und wie wichtig einem die Freundschaft ist. In meinem Fall müssen Ungeimpfte damit rechnen, dass ich den Kontakt reduziere, um unsere Kinder zu schützen. Dazu möchte ich kurz auf diesen Beitrag verlinken, um zu zeigen, was passiert, wenn kleine Kinder mehreren Viren ausgeliefert sind. Kommen die meisten kleinen Kinder mit Corona noch gut klar, kämpfen sie um ihr Überleben, wenn eine Größe wie das RSV dazukommt. 

Dazu kommt der Gedanke: Was, wenn ich trotz Impfung und Test jemanden versehentlich anstecke, weil symptomfrei (die Chancen sind nach drei Impfungen wirklich gering, und so schlecht ist die Testquote auch nicht – aber 100% existieren reell halt einfach nicht)? Was, wenn dadurch Eltern ihr Kind oder Kinder ihre Eltern verlieren? Oder die Person aufgrund ihres Alters verstirbt? Damit muss man eben auch klarkommen. Klar, die Leute entscheiden sich täglich bewusst für dieses Risiko. Trotzdem. Ich möchte das nicht verantworten müssen. 

Was ich aber klar sage: Kommen radikale Gedanken ins Spiel, ist eine Person im Gespräch nicht erreichbar, dann ziehe ich für mich Konsequenzen. Rassismus, Antisemitismus und Gefährdung der Öffentlichkeit durch Ignoranz der Maßnahmen sind keine Kavaliersdelikte.

Freundschaft nicht um jeden Preis

Letztlich ist es so: Ich erhalte die Freundschaft, manchmal mit fadem Beigeschmack. Denn jeder, der sich bewusst gegen eine Impfung entscheidet, entscheidet sich gegen die Solidargemeinschaft. Gegen das Krankenhauspersonal, das unter der Belastung ächzt. Gegen unsere Kinder, wo die Impfung noch im Zulassungsverfahren schwebt. Gegen die Kranken, die auf Herdenimmunität angewiesen sind.

Es sind keine einfachen Zeiten für Freundschaften. 

Aber es sind Zeiten für gute Freundschaften: Darum überlege, wie wichtig dir die Menschen sind und prüfe, ob du mit deren Meinungen leben kannst, ohne dass dein Puls auf 180 ist. Vielleicht ist es an der Zeit, vermehrt mit Menschen zusammen zu sein, die dir gut tun.

Letztlich muss jede Freundschaft gepflegt werden.

Freundschaft ist wie Beziehung. Und manchmal lebt man sich auseinander. Und vielleicht ist das gut so: Um Raum für Neues zu schaffen. 


*Das ist kein Heilpraktiker-Bashing, nur ist es so, dass die Mehrheit dieses Berufszweigs Impfungen ablehnt und verbotenerweise ihre Patienten darüber beraten. Dazu könnte ich ganze Romane schreiben. Auch mir wurde in der Vergangenheit von Impfungen durch verschiedene Heilpraktiker abgeraten. Heilpraktiker dürfen zu Impfungen nicht beraten. Davon abgesehen, sprechen sich auch einige Ärzte dagegen aus, was dumm genug ist (Ausnahme: Med. Ind.).

Diesen Beitrag habe ich geschrieben, weil die Frage momentan überall aufpoppt und Menschen in meinem Umfeld bewegt. Letztlich ist diese Frage nur individuell zu klären. Traurig, dass man solche Fragen überhaupt stellt.

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