Familie in Boston: Der Bombenzyklon

Derzeit ist die USA wieder von einer extremen Kältewelle betroffen: Ein Bombenzyklon hält auf die Ostküste zu. Ein was?

Ja genau, so hab ich auch geschaut. Ein Bombenzyklon entsteht, wenn innerhalb von 24 Stunden der Luftdruck um mindestens 24 Millibar sinkt – in Boston sank der Luftdruck um ganze 59 Millibar. Die US-Meteorologen sagen übrigens voraus, dass dies der stärkste Wintersturm seit 30 Jahren werden könnte.

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Vereintes Schneeschippen: Familien-Pflicht-Programm im „Boston-Winter“

Und mittendrin, in Boston, sitzt eine vierköpfige Familie, inklusive Hund, Katze und zwei Gastschülerinnen. Das ist Grund genug, einfach mal nachzufragen, wie es ihnen in der Kältewelle geht und was der Sturm für sie bedeutet:

Antonia lebt und arbeitet seit 15 Jahren in Boston. Momentan ist es so kalt, dass sie nur vermummt laufen gehen kann.

Kuchenerbse: Hallo Antonia, vielen Dank für deine Zeit. Du lebst mit deiner Familie in Boston. Was bedeutet der Zyklon für euch und die Einwohner von Boston?

Antonia: Hallo Victoria, danke für deinen Anruf*. Für uns bedeutet das, dass alle Schulen in Massachussetts geschlossen sind – diese Entscheidung wurde von den meisten Städten schon gestern Abend getroffen. Außerdem gibt es ein Parkverbot, um die Straßen für die Schneepflüge freizuhalten. Krankenhäuser mieten Hotels und quartieren ihr nötiges Pflegepersonal dort ein, um das nötige Personal während des Sturms zur Verfügung zu haben. Teilweise werden Leute auch von der Polizei von zu Hause abgeholt, um sicher an wichtigen Arbeitsplätzen anzukommen.

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Ruhe vor dem Sturm: Die Seen sind bereits zugefroren.

Kuchenerbse: Wie sieht es mit Lebensmitteln aus? Ist die Versorgung abgedeckt?

Antonia: Es ist wie bei jedem Wintersturm hier; die Leute stürmen die Supermärkte und kaufen alles leer. Mit Glück findest du überhaupt einen Parkplatz. Brot, Eier und Milch sind sofort ausverkauft. Ich war gestern früh schon einkaufen und konnte mich daher noch mit genügend Brot eindecken.

Aktuelle Situation am Donnerstag Abend

Kuchenerbse: Was macht ihr mit den Kindern, wenn die zuhause bleiben müssen? Müsst ihr arbeiten? 

Antonia: Mein Mann ist selbstständig, er ist heute morgen zur Arbeit gefahren. Das entscheidet er je nach Wetterlage. Ich arbeite auch für eine Schule, das heißt, ich habe gerade auch frei. Zudem habe ich das Glück, viel im Home-Office erledigen zu können. So kann ich auf die Kinder aufpassen.

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Schneefrei kann auch Spaß bedeuten: Schneemann auf dem zugefrorenen See bauen gehört dazu!

Kuchenerbse: Bei Blizzards – den „normalen“ Schneestürmen – treten ja häufig auch Fahrverbote in Kraft. Wie sieht das bei euch aus, dürft ihr noch Auto fahren?

Antonia: Im Moment gibt es kein offizielles Fahrverbot, es wurde nur gebeten, das Auto stehen zu lassen und – wenn möglich – zuhause zu bleiben. Durch den Sturm haben wir auch unglaublich viel Hochwasser, das drückt in die Innenstadt herein. Es werden Leute aus Häusern gerettet und es wird versucht, das Hochwasser einzudämmen. Wir haben bereits Minustemperaturen und erwarten morgen Temperaturen bis Minus 30 Grad – die Stadt wird mit dem Hochwasser zu einem riesigen Eisblock, wenn wir das nicht in den Griff bekommen!

Boston Wetterbombe

Kuchenerbse: Auweia, das hört sich nicht gut an. Antonia, was macht ihr mit den Kindern, wenn die zuhause bleiben müssen? Habt ihr da ein besonderes Programm?

Antonia: Wir versuchen es, uns so gemütlich wie möglich zu machen: Zum Frühstück gibt es dann Pancakes oder French Toast. Die beiden Kinder lesen gerne, schnappen sich also auch gerne ein Buch oder müssen Hausaufgaben an den schneefreien Tagen machen – die Lehrer schicken noch etwas per Email! Und alle müssen mit raus, Schnee schippen. Das ist eine Familienaktivität hier.

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Überfüllte U-Bahnen bevor die Öffentlichen zum Stehen kommen

Kuchenerbse: Wie hoch liegt der Schnee bei euch derzeit?

Antonia: Momentan erwarten wir einen Meter Schnee, jetzt haben wir ungefähr die Hälfte. Das Problem sind die Schneeverwehungen, da türmt sich der Schnee.

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Kuchenerbse: Antonia, ihr habt auch Gastschüler aus Deutschland und Italien bei euch. Wie gehen die mit dem Schneesturm um?

Antonia: Die Gastschülerin aus Deutschland ist den zweiten Winter hier, die ist das gewohnt. Unsere italienische Gastschülerin muss sich noch an den vielen Schnee und die Kälte gewöhnen, aber dazu hat sie ja noch etwas Zeit: Der Winter fängt gerade erst an.

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Kuchenerbse: Wie verbreitet sich eigentlich die Meldung, dass die Schule ausfällt oder der öffentliche Verkehr eingestellt wird?

Antonia: Die Leute verlasssen sich sehr auf Social Media. Momentan läuft auch eine Pressekonferenz mit dem Bürgermeister von Boston, der ein aktuelles Update gibt. Gerade hat er mitgeteilt, dass die öffentlichen Schulen geschlossen bleiben. Da ziehen dann die anderen Städte mit. Private Schulen entscheiden selber. Familien werden über Email, Instagram, Facebook, die Webseite oder telefonisch informiert.

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Mit Schlittschuhen statt dem Auto zum Ballett

Kuchenerbse: Ist das der heftigste Winter, den du bisher erlebt hast?

Antonia: Tatsächlich – nein. Vor drei Jahren hatten wir ca. 2,5 m Schnee – das war schon schlimm. Aber der schlimmste Winter war der vor 15 Jahren, als ich hierher gezogen bin. Da war es unglaublich kalt. Aber mal sehen, der Winter ist noch nicht vorbei!


Aktuelle Bilder von 7News am Freitag:

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Kuchenerbse: Mal etwas anderes: Wir haben ja nur über die „schlechten“ Seiten des Winters geredet. Gibt es auch positive Seiten?

Antonia: Ja, die gibt es allerdings: Statt meine Tochter zum Ballett zu fahren, schnallt sie sich die Schlittschuhe unter die Füße und flitzt über den zugefrorenen See direkt zur Ballettschule!

Kuchenerbse: Antonia, vielen lieben Dank für das Gespräch! Ich wünsche euch warme Füße und genügend schneeschaufelnde Hände!

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Schneeverwehungen sind ein großes Problem.

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*Das Interview wurde telefonisch am Donnerstag Abend aufgenommen und im Radio Schwabmünchen am Freitag abgespielt. 


6 Gedanken zu “Familie in Boston: Der Bombenzyklon

  1. Gruss an Antonia, wir sind fast Nachbarn. Ich lebe in Connecticut in der Nähe von Hartford. Uns hat es nicht ganz so hart getroffen. Wir sind etwas weiter von der Küste entfernt. Aber mein Mann und die meisten Nachbarn haben sich frei genommen und es ausgesessen. Wir in New England sind das ja gewohnt. Man darf halt nur nicht leichtsinnig sein und man sollte immer Vorräte haben + Batterien, Taschenlampen usw. War heute draußen und der Wind war wirklich ekelhaft kalt mit Schneeböhen.

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