Setzen, sechs! Warum Haribo bei uns nicht mehr auf den Tisch kommt

Gummibärchen waren noch nie meins. Dafür liebt sie mein Mann heiß und innig. Ich bin ja eher der Keks-Typ. Aber das ist jetzt irrelevant. Ich gebe zu, für einige Gummitierchen hatte ich schon immer eine Schwäche; früher schmachtete ich nach Schlümpfen und sauren Zungen. Seit einigen Jahren bevorzuge ich die Gummiware ohne Gelatine, griff meist zum Konkurrenzprodukt oder den Ökobärchen der Apotheke (auch für meinen Mann).

Ein Bericht heute gab den Ausschlag; zu sehen gibt es ihn bestimmt in der Mediathek der ARD (der Haribo-Check): Wir verzichten auf Haribo.

Zum ersten sind es die wohl katastrophalen Zustände der Schweineställe. Kranke Tiere im eigenen Kot, offene Wunden, Wasser abgestellt. Der Zulieferer für Gelatine bezieht sein Fleisch über „Westfleisch“, Tierschützer filmten die Zustände in den Betrieben. Der Gelatine-Zulieferer und Haribo nahmen dazu belanglos Stellung, sie beziehen ihre Produkte aus überprüften Betrieben. Gelatine war mir eh schon immer ein Graus, doch miserable Zustände bei den Tieren unterstütze ich nicht. Für Haribo wird Gelatine übrigens vorwiegend aus Schweineschwarte (Haut) gewonnen.

Ein weiterer Punkt ist die ökologisch bedenkliche Verwendung von Carnaubawachs. Das dient vornehmlich dazu, dass die Goldbären schön glänzen und nicht zusammenkleben. Das Wachs wird aus der Palme hergestellt, die nur in einer kleinen Region in Brasilien wächst. Sklavenähnliche Zustände werden vor Ort beklagt, der zuständige Minister kann es nicht fassen, dass das Wachs hier bei ihm vor Ort unter solchen Bedingungen hergestellt wird, damit Kinder in der ersten Welt Gummibären essen können. Ich kann es auch nicht:  Die – teilweise minderjährigen – Arbeiter der bewachten Plantagen bekommen unter anderem schmutziges Flusswasser zu trinken, haben keine Toiletten oder Betten. Sie arbeiten für einen Hungerlohn, das große Geld verdienen andere (wie immer). Haribo bedankte sich beim Fernsehteam für den Hinweis, die Zustände waren nicht bekannt. Sie wollten proaktiv die Problematik mit den Zulieferern erörtern.

Dann ist da noch der zuckrige Aspekt: Habt ihr gewusst, dass 100 Gramm Goldbären mehr Zucker haben als

  • 100 Gramm Milchschnitte
  • 100 Gramm Ritter Sport Traube Nuss
  • 100 Gramm Bahlsen Schokokekse

Erschreckend, oder? Gummibären galten immer als gesünder, da weniger Fett als in Schoki vorhanden ist. Über den Zucker hat keiner gesprochen.

Und Aromen? Beim Goldbär wurde nur rund 1 Prozent natürliches Himbeeraroma nachgewiesen…

Was gibt es denn für Alternativen?

Katjes beispielsweise verzichtet auf Gelatine und nutzt Bienenwachs statt Carnaubawachs.

Der Ökovital-Bär von Naturkost arbeitet leider mit Carnauba- und Bienenwachs.

Nimm2 Lachgummi enthält Gelatine und Carnaubawachs.

Die Bären-Company bietet eine Veggy-Produktreihe an, leider mit Carnaubawachs.

Trolli verwendet Gelatine.

Veganz bietet saure Fruchtgummis ohne Gelatine an.

Gummi-Tiger von Attila Hildmann werden ohne Gelatine, dafür leider mit  Carnaubawachs hergestellt. 

Auch der Nordseebär, der Bärengarten und Fruchtsaftbären von Protina enthalten Gelatine und das Wachs.

Wer Gummibären selber machen möchte, hier kommt das Rezept für ca. 250 g (abgewandelt von Smarticular.net):

  • ca. 5 g Agar Agar (bzw. Dosierung nach Packungsangabe für 300 ml Flüssigkeit)
  • 50 ml und 30 ml Wasser
  • 100 g Rohrzucker oder Süße nach Wahl und Geschmack (Birkenzucker,..)
  • 100 ml Fruchtsirup nach Wahl (Himbeersirup, Kirschsirup, Waldmeister usw.)
  • 1 EL Zitronensaft

Und so gehst du bei der Zubereitung vor:

50 ml kaltes Wasser in eine kleine Schüssel oder ein leeres Marmeladenglas geben.

Agar Agar in das Wasser einrühren und zirka 15 Minuten quellen lassen.

Im Wasserbad langsam erhitzen, aber nicht kochen.

30 ml Wasser und Zucker in einem kleinen Topf verrühren, unter ständigem Rühren kurz aufkochen und dann vom Herd nehmen.

Fruchtsirup, die vorgequollene Agar-Agar-Mischung und Zitronensaft in das Zuckerwasser einrühren.

Fertige Masse nochmal kurz aufkochen und bei schwacher Hitze fünf Minuten ziehen lassen, dabei immer wieder rühren.

In eine Eiswürfelform, leere Pralinenform, kleine Silikonförmchen füllen oder auf ein mit Backpapier belegtes Blech gießen. Auskühlen lassen.
 


9 Gedanken zu “Setzen, sechs! Warum Haribo bei uns nicht mehr auf den Tisch kommt

  1. Das ‚Nein‘ zu Haribo war – spät, aber – schon mal gut. Gratuliere!
    Aber das Herumgeeiere um einen Ersatz ist doch krank. Seit wann bitte braucht erwachsener Mensch inhaltsloses Lutschzeugs!?
    Und auch noch, wenn man Kinder hat! Wollt Ihr die mit diesem Dre… anfüttern?

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    1. Brauchen ist so eine Sache; gerade in der heutigen Gesellschaft. Ich bevorzuge kleine Schritte; Menschen etwas verbieten oder Vorschreiben geht meist schief. Alternativen zeigen, aufklären – das wird besser angenommen. Zu den Kindern: Natürlich ist Obst besser; aber der komplette Verzicht und das Verbot führen zu vermehrten Verlangen. Gesundes Vorleben ist immer optimal. Haben Sie Kinder?

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      1. Nein, nein, ich hab nix von ‚Verzicht‘ oder ‚Verbot‘ gesagt! Aber gegen so ein Stück getrockneter Zwetschke, Marille oder Banane ist doch so ein Gummidings eine geschmackliche Bankrotterklärung 😉
        Ja, 4, heute erwachsene. 2 rohe und 2 gekochte. Da konnte ich Unterschiede beobachten!!

        Gefällt 1 Person

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