Mütter, was wollt ihr eigentlich?

Es gibt Tage, die stellen mich vor ein Rätsel. Ein Tag im September lässt mich immer noch nachdenklich zurückblicken: Die Kindergarteneingewöhnung läuft gerade, nach einem morgendlichen Abschiedsdrama (der Papa ist früher als gewohnt aus dem Haus), stand heute der Tag der ersten Verabschiedung an.

Eigentlich wollte ich das Ganze heute nicht durchziehen, der Morgen hing mir noch nach. Aber da der Sohn so schön spielte und die Erzieherin mir versprach, mich sofort zu holen, willigte ich ein. Ich verabschiedete mich, der Sohn spielte unterdes weiter (Spoiler: Es gab keine Tränen, ich fand ihn nach 15 Minuten spielend mit anderen Kindern an der Murmelbahn).

Draußen nahm ich mit drei anderen Müttern Platz. Zwei davon blieben schon länger draussen, eine wurde zwei Minuten zuvor rausgeschickt.

Vier Mütter bei der Eingewöhnung: Ich erwartete alle Themen, aber nicht das:

Die Eingewöhnung ging nicht schnell genug. 

Es wurde sinniert, dass bei der früheren Betreuerin – bei den älteren Kindern – die Eingewöhnung schneller vonstatten ging. Natürlich, das geht zugunsten der Kinder – aber mal ehrlich, die Kinder gewöhnen sich ja daran, dass Muttern mit im Raum ist. Das kann doch nicht gut sein!

Ich bin gelinde gesagt verblüfft. Und froh, dass die Erzieher sich die Zeit nehmen, individuell für das Kind zu entscheiden. Heute war erst der 6. Tag in der Kinderkrippe. Wir waren täglich für eine Stunde anwesend. In der Zeit einen Bezug aufzubauen, ist für viele Kinder fast unmöglich und dennoch geht es einigen Müttern nicht schnell genug?

Ja: Der Job wartet, bis dahin MUSS die Eingewöhnung geklappt haben. Und andere haben noch ein Baby zu versorgen und sind froh, wenn ein Kind aufgehoben ist.

Ist also die Gesellschaft Schuld? Oder die Lebensumstände? Oder mache ich mir einfach zu viele Gedanken?

Ich habe viele Beiträge zu Attachment Parenting, Achtsamkeit und PiPaPo gelesen, bin ich dadurch empfindlicher?

Im Netz schreien alle auf, Eingewöhnung geht zu schnell, zu unachtsam uvm. Und hier, im realen Leben, diskutieren die Damen locker über die Vorzüge einer Eingewöhnung ohne Eltern. Für mich persönlich hat das mit Eingewöhnung nicht viel zu tun, aber Meinungen dürfen auseinander gehen.

Aber ich kann es bis heute nicht verstehen. Darum hake ich nach: Erstaunte Blicke.

Ja, bei den ersten Kindern habe man noch wie ich gedacht. Aber sie wissen ja nun wie das läuft und den Kindern macht es schließlich Spaß. Und natürlich ist es super, dass die Erzieherinnen zum Wohl des Kindes entscheiden. 

Miteinander reden hilft. Trotzdem wünsche ich mir für diese wunderbaren Mütter eines: Zeit. Und mehr Gelassenheit.

Ok, ich habe leicht reden, sie kämpfen mit mehreren Kindern, Haushalt und Beruf; verstehen kann ich das absolut. 

Aber wünschen auch.


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