Vorstellungsgespräch mit Kind – Karrierekiller oder cooler Auftritt?

Das Kind, der Karrierekiller? Ach wo! Ich hab meins gleich mitgenommen – ein Vorstellungsgespräch in mehreren Akten.

Vorweg: Am Vortag wehte eine Einladung zum Vorstellungsgespräch via Email herein. Die Firma bat für den Folgetag zum Gespräch.

05:00 Aufstehen nach drei Stunden Schlaf. Kind zahnt und ich fahre ins 30 km entfernte Dorf, um eine Reitschülerin nebst Pferd mit meiner Anwesenheit zu beglücken.

08:00 Duschen ist angesagt, der Mann spielt derweil Animateur für den Sohn, der das mit dem Duschen spitzgekriegt hat und nun seine Rechte einfordert.

08:30 Ich telefoniere meiner E-Mail nach, ob ich mit Kind zum Termin erscheinen kann oder wir besser den Termin schieben. Zitat: Bringen Sie Ihren Sohn gerne mit! 

Ja, dann!

09:00 Die Frisur sitzt. 3-Wetter-Griesbrei.

Zack, Nägel machen!

09:30 Das Kind wird den Job kriegen. Der kleine Styler stellt mich kleidungstechnisch voll in den Schatten. Viva Marine-Look!

09:50 Schnell suche ich noch Spielzeug zusammen. Das Kind braucht gute Laune und Beschäftigung beim Gespräch! Meine Wahl fällt auf Holzauto, Babytelefon und Lieblingsbuch.

10:00 Einigermaßen pünktlich sitze ich nebst Sohn im Auto. Das Smartphone hängt an der Ladebuchse, ich steuere unseren Dicken durch schmale Gassen. Ziel: Unterallgäu.

Morgens, halb 7 in Bayern: Kreativer Unterricht (Bild: M.W.)

10:35 Erstaunlich schnell erreiche den Zielort. Kind schläft, ich fahre durch den Ort, bestaune die lokalen Sehenswürdigkeiten und parke am Straßenrand, um rasch die Fingernägel zu lackieren. Fenster auf, Kind wach. Unausgeschlafen, das ist nicht gut.

10:51 Ich erreiche meinen Zielort. Natürlich  bog ich vorab zweimal falsch ab, um den Besucherparkplatz beim dritten Mal endgültig anzusteuern.

10:58 Erstaunte Blicke im Empfangsbereich. Kind sitzt auf dem Arm, guckt ebenso erstaunt zurück.

Ohne Fliegendreck würdet ihr eine grandiose Aussicht aufs Allgäu sehen

11:01 Die Dame an der Anmeldung kaschiert die Überraschung unseres Erscheinens erstaunlich gut. Währenddessen begrüßt mich der Geschäftsführer zwischen Tür und Angel auf dem Weg ins Meeting. Erneut ein überraschter Blick. 

11:05 Hurra, eine nette Dame holt uns hier ab! Ich schleppe das Kind in den ersten Stock und verliere mich im Smalltalk-Modus.

Die nette Dame hätte mich gern vom Fleck weg besetzt, leider brauchen sie jemanden, der täglich vor Ort ist. Trotzdem bin ich angenehm überrascht, dass dieses Traditionsunternehmen Mütter in Teilzeit im Home Office beschäftigt. 

11:24 Das Kind macht Stafettenlauf um den Besprechungstisch. Zum Glück lässt es die Kabel in Ruhe. Als Mutter ist Frau für Kleinigkeiten dankbar.

11:45 Das Wasserglas ist leer, das Baby winkt und wir brechen wieder auf, um eine Erfahrung reicher.

Da Home Office für diese Stelle nicht in Frage kam und keine tägliche Betreuung verfügbar (und derzeit nicht gewollt), klappte es nicht mit dem Job. Trotzdem bleiben wir in Kontakt. Und darauf freue ich mich! Und: Selten habe ich mich mit Kind so willkommen gefühlt!


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