Wo ist das BUNT hin?

Bunt. Steht für Kinder, Rummelplatz, Zirkus und Regenbogen.

Für Strassenkreide, Wassermalkasten, schillernde Seifenblasen.

Bunt ist das Einhorn, die Ehe für Alle, die Loveparade.

Bunt war meine Kindheit: Vom roten Kinderwagen über grünen Wackelpudding zu orangen Hosen.

Und heute?

Ich sitze mit den Großeltern im botanischen Garten. Es ist heiß, viele Familien und Mütter picknicken hier. Irgendwann fällt es mir auf: ich bin ein Exot – unser Buggy ist froschgrün! Wohin ich sehe, schwarze, graue und dunkelblaue Kinderwagen und Buggys. In 30 Sekunden – am gleichen Platz – kommen gleich vier Stück vorbei. Schwarz.


Wofür steht diese Helligkeitsstufe (ja!) noch einmal?

  • Trauer
  • Düsternis
  • Nacht
  • Tod
  • Depression
  • usw.

Okay, Eleganz. Schwarz steht auch für Eleganz. Aber ist Eleganz in Sachen Kinder gefragt? Oder Würde, oder Feierlichkeit. Wollt ihr alle feierlich in Würde den Kinderwagen schieben? Mit einem Hauch von Eleganz? Ist das der Beweggrund? Oder gibt es einfach nichts anderes zu kaufen? Angebot und Nachfrage.

So negativ behaftet und trotzdem der Renner in Sachen Kinderausstattung. Dicht gefolgt von grau.

Und welche Farben stehen für Kinder?

Bunt! Bunt wie der Regenbogen!

Blau, grün, rot, lila, gelb, orange, pink, türkis! Den Kindern kann es nicht bunt genug sein!

Wo, um Himmels Willen kommt die Verbindung „schwarz & Kinderausstattung“ her? Wer hats erfunden? Die Schweizer? Nein, im Ernst:

Der Trend geht noch weiter: Graue und beige Farbtöne im Kinderzimmer, perfekt aufeinander abgestimmt. Dafür mit Sternchen. Oh, hübsch ist es schon. Aber so langweilig. Wie sah denn euer Kinderzimmer aus?

Klinisch-weiß mit Sternchen? Oder farbenfroh und bunt?

Bei mir war es rundum bunt. Rosa Wände. Übernommen von der großen Schwester. Mein Bruder hatte grüne, dann gelbe. Auf dem grünen Teppich ließen sich mit Kreide tolle Straßen malen.


Warum mögt ihr diesen Stil? Ich finde die ästhetischen Bilder auch ansprechend, aber einrichten würde ich so nicht. Unser Kinderzimmer hat gleich drei Farben: Blau, grün und gelb. Mit viel Holz und bunten Disneybildern. Und buntem Teppich in der Spielecke.

Klar, Reizüberflutung ist schlecht. Aber eintöniges grau in grau macht die Sache nicht besser.

Der Paradiesvogel unter den Buggys

Unsere Schlafecke wurde in pastellblau gehalten, bei der Spielecke leuchtet pastelliges gelb, getrennt von einem sanften grasgrünen Pastellton. Zu unruhig sind die Farben nicht, gemäß der Farblehre genau richtig:

Grün wirkt beruhigend, ausgleichend, und erholsam – eine Farbe der Natur, erdähnlich, und bringt Ruhe in Geist und Körper.

Blau steht für Beständigkeit und Ruhe.

Gelb – die Farbe der Spielecke – wirkt belebend, anregend und soll für Kommunikation sorgen. Gelb besitzt eine positive Ausstrahlung und fördert Konzentration.

Der Vollständigkeit halber teile ich noch weitere Farben mit euch:

Rot: Sorgt für Lebendigkeit und Kraft, kann je nach Farbton auch aggressiv wirken. Rot ist die Farbe der Liebe.

Orange: Ähnlich wie gelb, eine heitere, belebende und positive Farbe. Sie vermittelt Optimismus, Kreativität und Kontaktfreude.

Weiß: Wirkt locker und heiter und wird oft als Trennung zwischen anderen Farben genutzt. Die Friedensfarbe ist eigentlich eine Helligkeitsstufe, keine Farbe.

Violett/ lila: Die geheimnisvolle; sorgt für Kreativität und Inspiration.

Grau: Farbverweigerer aufgepasst – grau steht für Langeweile, Unsicherheit, Lebensangst, Zurückhaltung. Grau ist die pure Neutralität.

DENN:

Kinderzimmer-geeignet sind generell Pastelltöne, mit kraftvollen Farbakzenten. Dann wirkt das BUNT auch nicht überladen. Kombiniert mit einheitlichen Möbeln (ähnliche Farben), wirkt ein „bunter“ Raum für Kinder gemütlich und einladend.

Zurück zu den Buggys. Im Sommer heizt schwarz besonders gut auf. Echt uncool. Aber hauptsache, die Frisur sitzt.

Bunt ist gemütlich

Der anti-bunt-Trend schwappt auch zur Bekleidung. Jungs tragen laut vielen Herstellern wohl am Liebsten dunkelblau, beige, dunkelgrün, grau und schwarz. Gelegentlich auch Türkis. Vereinzelt erhalte ich schöne bunte Kleidung, die ist meist selbstgenäht – oder ähnliches.

Wisst ihr, was mich vor Kurzem entsetzt hat? Auf dem Spielplatz. Das Kind sieht einem Mädchen hingerissen beim Rutschen zu. Er trägt an diesem Tag blaue Turnschuhe, ein blau-weisses Matrosenjäckchen und eine blau-gestreifte Mütze. Und eine rote Hose. Rot, nicht rosa. Wobei – steht in Stein gemeißelt, dass das den Mädels vorbehalten ist?

Da fragte mich der Vater des Mädchens nach „er oder sie, wegen der roten Hose wüsste er ja nicht..“ . Sprachlosigkeit. Ehrlich? Dein Ernst? Ich reagiere gelassen, aber innerlich lässt es mich nicht los. Er hat ja nicht einmal eine lange Wallemähne wie andere Jungs!

Ich gebe der Farbsache die Schuld. Wir fallen mit „bunt“ wohl aus der Reihe. Schade eigentlich. Eine bunte Welt ist doch so viel schöner.

Sind wir die Ausnahme? Warum findet ihr diese Dunkelkammern auf Rädern gut? Ich freue mich auf eure Meinungen!


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