Reihe: Hebammen im Interview 

Mein bisheriger Kontakt mit Hebammen beschränkte sich auf die Geburt unseres Sohnes und die damit verbundene Nachsorge. Das wachsende Problem vom Verschwinden der Hebammen durch die hohe Haftpflichtversicherung verfolgte ich nur am Rande. Die Initiative „Blogger helfen Hebammen“ hatte schnell mein Interesse geweckt, daher habe ich einmal mehr nachgeforscht. Dafür muss Teil 4 der nachhaltigen Kinderkleidung noch etwas warten. Aber ist ja für den guten Zweck und auch noch interessant!

Übrigens: Was haltet ihr von „Müttern helfen Hebammen“? Würdet ihr euch beteiligen? 

Glücklicherweise fand ich zu dem Thema auch ganz schnell eine liebe Hebamme, die mit mir über das Thema gesprochen hat. Viel Spaß beim Lesen unseres Interviews. 

Steckbrief
 

Name: Veri*

Alter: 36

Wohnort: Irgendwo in Süddeutschland 

Kinder: 2 (13 Jahre und 10 Jahre)

Erlernter Beruf: Krankenschwester und Hebamme

Hebamme seit: 2015 

Betreute Geburten pro Jahr: 100 

Arbeitsstunden pro Woche: 32 im Angestelltenverhältnis und ca. 20 Freiberuflich


Kuchenerbse: „Veri, du bist noch nicht lange Hebamme. Was war der ausschlaggebende Punkt, diesen Weg einzuschlagen?“

Veri: „Der ausschlaggebende Punkt kam schon so mit 14 Jahren beim Babysitten, immer diese Fasziation von Bauch und Baby, was steckt dahinter, wie funktioniert das alles?“

Kuchenerbse: „Was bedeutet es dir, als Hebamme tätig zu sein?“

Veri: „Alles, ich möchte nichts anderes mehr machen.“

Kuchenerbse: „Wieviele Geburten betreust du im Schnitt pro Monat/Jahr?“

Veri: „Also pro Schicht betreue ich mindestens eine Geburt, macht im Monat so zwischen 10-15 Geburten, ca. 100 im Jahr.“

Kuchenerbse: „Klappt die Vereinbarkeit von eigener Familie und Beruf?“

Veri: „Ja, sogar sehr gut.“

Kuchenerbse: „Kommen wir zur unangenehmen Seite des Berufes:

Die Beiträge für die Haftpflicht sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Wie kannst du die Erhöhungen kompensieren?“

Veri: „Da ich mit 60 Prozent im Angestelltenverhältnis tätig bin, bin ich für die Geburtshilfe über meinen Arbeitgeber versichert.

Für die Freiberuflichkeit ohne Geburtshilfe ist der Betrag noch relativ gering und für mich erschwinglich.“

Kuchenerbse: „Hast du je daran gedacht, den Beruf aufgrund der hohen Beitragssätze an den Nagel zu hängen?“

Veri: „Wenn ich in Vollzeit als freiberufliche Hebamme arbeiten würde, könnte ich mir den Beitrag nicht leisten und müsste warscheinlich irgendwann notgedrungen das Handtuch werfen.“

Kuchenerbse: „Was ärgert dich am Meisten in deinem Hebammenalltag?“

Veri: „Das wir oft nur zu Zweit fünf oder mehr Frauen unter der Geburt betreuen müssen. Dazu kommen noch ambulante und stationäre Frauen, die wir mitversorgen. 

So ist wohl kaum eine ordentliche Geburtshilfe möglich.

Kuchenerbse: „Was sollte sich im Berufsfeld der Hebamme deiner Meinung nach dringend ändern?“

Veri: „Die Bezahlung und der Personalschlüssel – einfach um den Beruf wieder attraktiver zu machen. Und natürlich um eine ordentliche Versorgung der Schwangeren und Gebärenden zu gewährleisten.“

Kuchenerbse: „Der Storchenfonds versucht, mindestens einer Hebamme die Jahres-Haftpflicht zu bezahlen. Ist das künftig wirklich eine Lösung – Crowdfounding und private Finanzierung von Versicherungsbeiträgen?“

Veri: „Das wäre mit Sicherheit eine gute Möglichkeit.“

Kuchenerbse: „Was wünscht du dir von unserer Politik zu diesem Thema?“

Veri: „Das sie sich mehr für uns einsetzt und uns nicht immer nur im Regen stehen lässt.“

Kuchenerbse: „Was würdest du zB unser Kanzlerin oder der Familienministerin gerne persönlich sagen, wenn die Möglichkeit bestünde?“

Veri: „Puh schwierig, da gibt es so einiges, wo fängt man da an?“

Kuchenerbse: Zum Abschluss: Warum lohnt es sich, den Beruf Hebamme zu wählen? Trotz der Widrigkeiten?“

Veri: „Weil es einfach schön ist, soviel über das Thema Schwangerschaft und Geburt zu wissen und dieses Wissen auch anzuwenden und weiterzugeben.

Weil man immer wieder bei einem riesengroßen Wunder dabei sein darf.

Und weil es nicht egal ist, wie wir geboren werden.“

Kuchenerbse: „Ich bedanke mich vielmals für das Beantworten der Fragen.“

*Aus datenschutzrechtlichen Gründen wird nur der Vorname veröffentlicht. Die vollständigen Daten sind dem Blog bekannt.

Du bist Hebamme und möchtest deine Geschichte erzählen und meine Fragen beantworten? 

Dann kontaktiere mich direkt per Email unter victoria.vonluetzau(at)googlemail.com oder Kontaktformular.

Du findest deine Hebamme toll und bist der Meinung, sie hätte den Jahres-Freibetrag des Storchenfonds verdient? 

Dann schlage sie dem Storchenfonds einfach per Email an storchenfonds@gmail.com vor!

Mehr Infos: Storchenfonds 


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