Vom Strampler bis zur Strumpfhose: Bio, fair, nachhaltig – Fehlanzeige Teil 2 

Fair gehandelte Kinderkleidung? Muss das sein? Wo ich doch extra Kleidung mit Bio-Baumwolle kaufe? Was steckt hinter den Labels? 

Ich forsche. Zunächst beginne ich damit, Informationen zu beschaffen: 

WAS habe ich bisher so eingekauft? WAS bedeuten verschiedene Gütesiegel? WAS ist wirklich schlecht?

Ein Überblick über Material und Gütesiegel – Baumwolle

Bio-Baumwolle

Der Strampler besteht zu 95% aus Bio-Baumwolle? Glückwunsch, du hast dich gegen fiese chemische Pestizide, Kunstdünger, Entlaubungsmittel und somit für 7 qm „sauberes“ Ackerland pro Shirt entschieden. 

Gar nicht mal so schlecht, oder? Biobauern bauen schonend an, durch Fruchtwechsel und das Ernten von Hand werden Ressourcen geschont. Gentechnisch veränderte Pflanzen sind verboten. 

Baumwolle benötigt von allen Pflanzen das meiste Gift

Begrifflichkeiten wie „Bio“ oder „öko“ sind geschützt. Einmal jährlich fallen Kontrollen bei den Bauern an: Wird alles nach Vorgabe umgesetzt? 

Bekommen nun aber die Bauern mehr Geld oder sind andere Vorteile ersichtlich? Bio heißt nicht fair (gehandelt). Gesetzliche Mindeststandards sind vorgeschrieben, mehr nicht. Aber die wechselnde Fruchtfolge bedeutet Nahrung für die Familie, der Verzicht auf Chemie bessere Gesundheit.

Nur das Beste für das eigene Kind: Doch wo kommt „das Beste“ eigentlich her?

Aber Bio-Baumwolle hat einen Nachteil: Der Anbau benötigt viel Wärme und Wasser und ist bei uns nicht möglich. Leinen und Hanf sind gute Alternativen mit besserem ökologischen Fußabdruck. 

Nun noch ein großes Aber: Bio bei Baumwolle gilt nur für die Faser, NICHT für die Verarbeitung & Herstellung!

Mehr Infos bei Umweltinstitut

Baumwolle ohne jegliche Gütesiegel

Eine Menge an Stramplern im Schrank, ohne Gütesiegel. Was bedeutet das für die Herkunft? Schauen wir mal! 

Ein T-Shirt benötigt – nur bei Anbau des Rohstoffes Baumwolle – 2000 l Wasser. Das sind rund 10 Badewannen voll! Der Baumwollanbau laugt ohne wechselnde Fruchtfolge Ackerböden aus und verbraucht Süßwasser in ohnehin schon trockenen Gebieten. Soviel zum ökologischen Fußabdruck. 

Beispiel Aralsee: Um 70% geschrumpft, kämpfen Anwohner ums Überleben: Fischfang, Trinkwasser – alles durch künstliche Bewässerung, vorwiegend für Baumwolle, gefährdet. Was noch da ist, ist kontaminiert (Pflanzengifte).

Die Jüngsten leiden unter Pestiziden und Chemie. Mit sechs Jahren geht es für sie aufs Baumwollfeld. Unsere Kinder werden mit sechs Jahren eingeschult.

Außerdem wird für keine andere Pflanze soviel Gift beim Anbau eingesetzt. Davon betroffen sind Kinder und Erwachsene, die mit Gesundheitsproblemen zu kämpfen haben, der Tod wird billigend in Kauf genommen.

99 % der Baumwollbauern leben in Entwicklungsländern. Die Erträge reichen gerade zum Überleben, und doch macht das Volumen rund 75 % des Welthandels aus. Kinderarbeit auf Baumwollfeldern ist „normal“. 

Ab sechs Jahren geht es los, weg vom Elternhaus, ab aufs Feld. Zu einem Hungerlohn, sieben Tage die Woche. Ohne Schutz vor dem Pflanzengift. Stellt euch kurz vor, es wäre euer Kind. Nach einem 12-Stunden-Tag auf dem Feld in sengender Hitze, ohne Pause, mit Kopfweh, Durchfall und Atemnot durch Pestizide. Häufig stirbt ein Kind an den Folgen.

DAS alles wird durch den Kauf von Kleidung ohne jegliches Gütesiegel begünstigt. Ich hatte ja keine Ahnung! Würdest du das für dein Kind wollen? Ich nicht. Ich werde auch künftig nicht unfehlbar sein beim Einkauf, aber ich achte nun noch mehr drauf: Wo kaufe ich was; und muss ich wirklich jedes hübsche Schnäppchen shoppen. 

Denn das ist, was zählt: Gegen Gedankenlosigkeit in kleinen Schritten zur besseren Welt (ich Träumer). Wie heißt es so schön? Jeden Tag eine gute Tat. Niemand vollbringt Wunder und wird über Nacht zur Super-Öko-Veganen-Hausfrau mit 1a Emissions-Fußabdruck – gilt auch für die Väter. Aber einmal mehr Gedanken machen, einmal mehr verzichten oder einmal mehr seine Mitmenschen informieren: Die kleinen Schritte im Leben bewegen die Welt!

Öko-Tex Standard 100 (Textiles Vertrauen)

Von Liegelind über dm zu Discounterware: Babykleidung mit diesem Prüfsiegel weckt Vertrauen. Und findet sich nahezu überall. Doch was steckt dahinter? 

Nicht jedes Siegel bedeutet automatisch „gut“- daher Augen auf beim Kleidungskauf

Das Siegel bedeutet, dass nur und ausschließlich Schadstoff-Rückstände in Textilien geprüft wurden und berücksichtigt nicht die Herstellungsbedingungen der Kleidung. Ganz fies: Grenzwerte sind sehr moderat, Chlorbenzole und andere Lösungsmittel nicht erfasst. Auch per- und poly- luorierte Chemikalien sind nicht verboten. Jährlich wird das Siegel jedoch angepasst und verbessert.

Eine wunderbare Übersicht über Gütesiegel und ihre Bewertung gibt es übrigens HIER

Unabhängige oder empfohlene Siegel sind bspw. Fairtrade, GOTS, biore, IVN, bluesign u.a.

Im nächsten & übernächsten Teil geht’s um schöner shoppen – und das Dilemma der geringen Nachfrage: Warum regionales Einkaufen wirklich schwierig ist bei fair gehandelter Kinderkleidung. Und kann ich mir das überhaupt leisten?

Und was ist eigentlich mit der Herstellung?


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