Reisen mit Kind – Venedig

Venedig, Stadt aller verträumten Romantiker und Heiratswilligen!

Skeptikern kommt als erstes der Massenkreuzfahrt-Tourismus in den Sinn, Tausende von Menschen, die sich über Markusplatz und Rialtobrücke drängen – die schönste Sicht versperrt vom Kreuzfahrt-Pott. Mittendrin die Eltern mit reischendem Kind, schwitzend, dem Sprössling klarmachend, dass erst das übernächste Wassertaxi frei wird. Andere Eltern verzweifeln an den Menschenmassen, wenn sich ältere Kinder selbstständig auf Entdeckungstour begeben. Und ein Eis zur Beruhigung? Erst einmal 20 Minuten in der Schlange warten. Papa trieft derweil vor Schweiß, trägt er den jüngsten Sprössling. Denn ausgerechnet die Räder des Kinderwagens sind nicht Venedig-konform (kein Witz!). Venedig, der Alptraum aller (werdenden) Eltern?

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Es geht auch anders. Dazu ist zu allererst der Einheitstourismus im Sommer oder zum Karneval zu missachten. Unserer Erfahrung nach ist der Spätherbst im düsteren November eine gute Jahreszeit, um den Massen an Menschen zu entrinnen. Und die Kreuzfahrt-Pötte legen zu dieser Zeit auch nicht mehr an und versperren die Sicht vom Markusplatz auf die nahegelegene Insel San Giorgio Maggiore.

Günstige Hotels warten auf die Familien in der Nebensaison. Wir hatten uns bewusst für ein Hotel in der Altstadt entschieden, so war es uns möglich, gleich am frühen Morgen auf Fotopirsch zu gehen. Noch günstiger wohnen Familien jedoch in „Mestre“. Wer mit dem Auto anreist, lässt dort auch gleich das Auto stehen. Das Parkhaus am Hauptbahnhof ist videoüberwacht und klasse gelegen – in 5 Minuten standen wir am Gleis nach Venedig. Für wenig Geld fuhren wir ca. 15 Minuten zur Endstation Santa Lucia. Aus dem Bahnhofsgebäude kommend, tut sich eine wunderschöne Wasserwelt auf: Alles Leben findet zu Wasser statt. Keine Straßen, kein Verkehrslärm – nur Boote, Wassertaxen und Gondeln.

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Blick vom Markusplatz auf San Giorgio.
Touristen können vorab allerlei Nützliches im Internet erwerben; verschiedene Tickets beispielsweise. Hochschwanger kaufte ich mir online das vermeintlich Wichtigste: Die Toiletten-Flatrate! Ha! Auch wenn ich gar keine Gelegenheit hatte, die öffentlichen Toiletten in Anspruch zu nehmen – mit dem Billet in der Tasche fühlte ich mich gleich viel besser.

Tickets für öffentliche Verkehrsmittel, WLAN, Museen, Touren, Parkhäuser oder Flughafentransfer sind über Venezia Unica erhältlich. Auch Touren speziell für Eltern mit Kindern gibt es dort im Angebot. Die Website ist auch auf deutsch übersetzt. Das Kaufen funktionierte ganz tadellos, einfach noch Ausdrucken und mitnehmen. Vorort, vor dem Bahnhofsgebäude, stehen die Informationsschalter der Stadt. Hier werden die ausgedruckten Tickets noch in gültige Billets umgewandelt. Die Damen am Schalter sind sehr freundlich und hilfsbereit.

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Vergleichsweise wenige Touristen unterwegs.
Überhaupt: Zuhause sollte vorab so viel wie möglich erledigt werden: Desto stressfreier läuft der Urlaub ab. Der Weg zum Hotel ist nämlich tückisch: Aufgrund der engen Gassen und der hohen Häuser funktioniert das GPS nicht immer einwandfrei, und mit Koffern im Kreis laufen ist nur halb so spaßig wie es sich anhört. Vor allem hochschwanger. Da wartet gleich das nächste Hindernis: Die Koffer! Oder die Buggys. Alles, was rollt. Bitte nicht über Treppenstufen ziehen, das beschädigt das Pflaster. Tragen ist angesagt. Wer den Anwohnern Gutes tun möchte, nimmt den Trolley mit Gummirädern.

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Hochschwanger durch Venedigs Gassen – alles machbar. Der Ehemann braucht nur mehr Geduld als üblich. 
Durch die engen Gassen geht es auf der rechten Seite, damit wird das Vorankommen erheblich erleichtert.

Im Wassertaxi, dem Vaporetto, ist es Usus, den Rucksack auf den Boden zu stellen. So entsteht mehr Platz für die Fahrgäste.

Erfolgreich im Hotel eingecheckt? Wer in der Altstadt nächtigt, muss eines wissen: Platz ist begrenzt. Mit Schwangerschaftsbauch in die enge Dusche – ein Akt der Akrobatik. Ich spreche aus Erfahrung. Wer unsicher ist, nimmt Waschlappen mit. Wasser ist übrigens kostbar in der Lagunenstadt: Sparsam mit umgehen.

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Romantisch, aber teuer: Eine Gondelfahrt. Und im Winter auch wirklich kalt. 
Für die Nacht empfehle ich wärmstens Ohrstöpsel. Erwähnte ich die engen Gassen? Hier hallt und schallt es. Ansonsten schläft es sich ausgezeichnet.

Venedig lässt sich wunderbar zu Fuss erkunden. Bequeme Schuhe sind Voraussetzung. Zuerst empfehle ich jedoch, einmal mit dem Wassertaxi durch Venedig zu fahren. Kraft sammeln für den Fussmarsch. Unsere Tour ging vom Markusplatz ab zurück zum Hauptbahnhof. Von dort aus durch die Gassen und die Brücken zurück in Richtung des Markusplatz. Auf dem Weg lohnt sich die Einkehr in kleine Seitengassen, hier liegen untouristischen Seiten Venedigs.

Über die Rialtobrücke zurück zum Markusplatz aufs Boot zum Lido – die schmale Insel mit den luxouriösen Hotels ist gerade im Winter ruhig und beschaulich. Der Strand bis auf wenige Einheimische menschenleer, die Cafés glänzen mit moderaten Preisen und köstlichem Gebäck.

Vom Lido fuhren wir schnurstracks auf die Insel San Giorgio, besichtigten die Kathedrale und zwei Ausstellungen. In der Abenddämmerung ging es zurück.

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Märchenhafte Stadt im Wasser: Für Kinder aufregend, für Paare romantisch.
Das Abendessen suchten wir frei Schnauze, jedoch sind die guten Restaurants schnell belegt. Im Winter treffen sich dort auch viele Einheimische auf ein Schwätzchen. Wer sichergehen möchte, reserviert vorab.

Mit Kind hat auch Venedig viel zu bieten. Allein schon die Wasserstraßen, die Gondeln und die Brücken – Venedig, ein Abenteuerspielplatz. Doch die Stadt bietet noch mehr: Museen (bspw. Naturhistorisches Museum, Museum für Orientalische Kunst usw.), ein Planetarium oder der Dogenpalast – für Kinder ab 3 bzw. 6 Jahren gibt es viel zu entdecken. Zudem bietet die Stadt Workshops oder spezielle Führungen für Familien bzw. Kinder. Allerdings finden diese meist in italienischer Sprache statt. Hier gibt es weitere Informationen.

Übrigens: Vor Hochwasser kann sich auch ein Tourist per SMS warnen lassen. Und Gummistiefel sowie Regenschirme sind dann an jeder Ecke zu erwerben. Nur das Balancieren auf den Stegen kann mit Kind und Kegel etwas ermüdend sein.

Sehenswert

…Sind natürlich erst einmal die üblichen Verdächtigen: Markusplatz, Dogenpalast, Rialtobrücke, Markusdom. Hier sind sie alle aufgeführt.

Must-haves für die Reise

…Sind Ohrstöpsel, Kamera, Karte mit dem Weg ins Hotel (Screenshot Google Maps reicht). Und Snacks sowie Getränke für Ausflüge unterwegs. In der Hauptsaison sind lange Schlangen im Weg, in der Nebensaison haben nicht alle Geschäfte offen. Und auch Schwangere benötigen unterwegs einen Snack (Müsliriegel oder ähnl.)!

Schöne Mitbringsel

…Sind das bekannte Murano-Glas, gesammelte Steine oder Muscheln vom Strand aber auch leckeres Gebäck. Und oft ist auch der Parmesan-Käse an den großen Raststätten (Supermärkte!) radikal günstig. So als Tipp am Rande. Und nun, auf gehts ins Land der Wassertaxen!

 

 


2 Gedanken zu “Reisen mit Kind – Venedig

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